20. August 2020: Veszprémvölgy – Tihany – Zalavár – Szombathely

Ursprünglich hatte ich mir für diesen Tag nur zwei weitere Sehenswürdigkeiten ausgesucht, die ich unbedingt besichtigen wollte, nämlich das 1054 gegründete Benediktinerkloster von Tihany und das Nonnenkloster von Veszprémvölgy, das vermutlich auch im 11. Jahrhundert gegründet wurde. Aus beiden Klöstern stammen sehr frühe Urkunden, die Gründungsurkunde von Tihany hatte ich am Vortag ja in Pannonhalma besichtigt (in Form eines Faksimile). Die ältesten Texte aus Veszprémvölgy sind noch interessanter, denn sie liegen sowohl auf Latein wie auch auf Griechisch vor – offenbar wurden dort sowohl die westliche wie auch die östliche Tradition gepflegt. Davon war ich vor ein paar Jahren so fasziniert, dass ich mir diese Texte unbedingt beschaffen wollte, dieses Unternehmen hat aber etwas merkwürdig geendet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich im Internet eine Edition des Urkundenbuchs gefunden und auf meinen Computer heruntergeladen habe, ich kann sie nur nicht mehr finden. Woran man sieht, dass es wirklich wichtig ist, Dateien vernünftig zu benennen (was ich in diesem Fall offenbar nicht getan habe).

Veszprémvölgy liegt heute auf dem Gebiet der Stadt Veszprém, die einige Kilometer nördlich des Plattensees liegt, Tihany liegt auf einer Halbinsel im Plattensee. Ich fuhr also zunächst nach Veszprém, in der Hoffnung, dann auch Veszprémvölgy zu finden (das mein Navigator nämlich nicht anzeigen wollte). Und dann fand ich die Altstadt, die von einer Burg gekrönt ist, so faszinierend, dass ich erstmal sie besichtigt habe. Wider Erwarten habe ich auch schnell einen Parkplatz gefunden, der obendrein nichts kostete. Die Stadt war voll mit Besuchern, und schnell fand sich auch die Erklärung: Der 20. August ist ja der ungarische Nationalfeiertag, und an dem wird der Bevölkerung offenbar einiges geboten. So war eine Tribüne für ein Konzert aufgebaut (das zum Glück noch nicht angefangen hatte) und es gab auch Verkaufsstände. Etwas gewundert hat mich, dass in der Kathedrale ein Festgottesdienst stattfand – ich hoffe, er war dem Hl. Stephan gewidmet und nicht der ungarischen Nation…

Als ich meinen Rundgang beendet hatte, informierte ich mich auf einem Stadtplan am Rande der Altstadt, wo Veszprémvölgy liegt. Veszprémvölgy heißt wörtlich „Tal von Veszprém“, und so ist es dann auch. Am Stadtrand liegt ein malerisches Tal, das heute nicht mehr bewohnt ist, sondern als Park hergerichtet ist. Und dort kommt man nach etwa zehn Minuten zu den Ruinen des Klosters, das nämlich 1553 von den Türken zerstört wurde und nicht wiederaufgebaut wurde. D.h. eine Kirchenruine wurde 2010 wiederhergestellt und wird wieder als Veranstaltungsraum genutzt. Diese konnte ich aber nicht näher besichtigen, weil dort eine Veranstaltung stattfand. In einer Parkgaststätte habe ich noch etwas getrunken und bin dann weitergefahren.

Die Fahrt nach Tihany dauerte nicht lange, aber auf der Strecke bekam ich schon einen Eindruck davon, dass halb Ungarn auf den Beinen ist und dass sich sehr viele Leute zum Plattensee begeben. In Tihany selbst waren die Straßen voll von Besuchern, vor allem aber gab es keinerlei Parkplätze. So habe ich schließlich die Kirche vom Auto aus fotografiert und bin weitergefahren.

Da schon absehbar war, dass die Besichtigung von Tihany nicht den ganzen Tag ausfüllen würde, hatte ich schon unterwegs, bevor ich überhaupt wusste, wie es in dem Ort aussieht, überlegt, dass ich als nächsten Ort Zalavár besuchen könnte. Dieser Ort liegt südwestlich des Plattensees in einem Sumpfgebiet am Fluss Zala, und er hat eine lange Geschichte. Denn dort lag Mosapurc, die Hauptstadt des sog. pannonischen Fürstentums, eines slavischen Staats, den der aus Großmähren geflohene Fürst Pribina um das Jahr 840 gründete und wo ab 861 dessen Sohn Kocel herrschte, den jede Slavistin und jeder Slavist aus dem Kirchenslavischunterricht kennen sollte. Kocel empfing nämlich 867 Kyrill und Method auf ihrer Reise nach Rom. Und Method war auf der Rückreise auch noch einmal bei Kocel (Kyrill war in Rom verstorben, wo er in der Basilika San Clemente begraben liegt).

Die beiden Heiligen begrüßten mich schon auf dem Parkplatz… Ich begab mich aber erstmal in das kleine Café neben dem Museum und stärkte mich, dann ging ich ins Museum. Als ich die Eintrittskarte kaufen wollte, erlebte ich eine große Überraschung: Sie kostete nämlich statt der üblichen 800 Forint (2,29€) nur 20 Forint (6 Cent), wegen des Nationalfeiertags… Das Museum selbst ist eine sonderbare Mischung, neben Vitrinen zur Geschichte des Orts findet man auch solche zur Sumpflandschaft und zu Flora und Fauna. Neben einem ausgestopften Vogel liegen Skelette (von denen freilich nicht gesagt wird, aus welcher Zeit sie stammen). Und außerhalb des Museum sind noch die Fundamente von Gebäuden zu besichtigen, darunter die der großen Kirche des Hl. Hadrian, die aber schon vor der Ankunft von Kyrill und Method erbaut war (und vom Salzburger Erzbischof Liutpram geweiht wurde). Außerdem gibt es – das muss in Ungarn offenbar so sein – auch eine kleinere Kirche, die noch in Betrieb ist und vermutlich im 20. Jahrhundert gebaut wurde (möglicherweise auf alten Fundamenten).

Weil der Nachmittag noch lange nicht vorbei war, habe ich schließlich noch einen Abstecher nach Szombathely gemacht, das ist eine relativ große Stadt, die als Geburtsort des Hl. Martin gilt (damals hieß die Stadt aber noch Savaria). Hier habe ich die Kathedrale besucht (die vom Ende des 18. Jahrhunderts stammt), die danebenliegenden römischen Ausgrabungen waren leider schon geschlossen. Und zwei Synagogen, die es dort auch gibt, habe ich nicht gefunden, bzw. wenn ich ehrlich sein soll, auch nicht ernsthaft gesucht. Denn irgendwann habe selbst ich genug von Besichtigungen, und so bin ich dann nach Pápa zurückgefahren.

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für Deinen schönen Bericht mit den tollen Bildern aus Weißbrünn, Tihany, Moosburg/Zalavár und Steinamanger. Apropos, frühchristliche slawische Kirchen: Der gestrige ORF-Kärnten-Bericht kam im Gegensatz zu den Projektseiten unserer Akademie (Jaunstein/Podjuna: (Früh-)mittelalterlicher Friedhof. Erforschung der Lebenswelt slawischer Populationen im Ostalpenraum, https://www.oeaw.ac.at/oeai/forschung/anthropologie-und-nekropolenforschung/jaunsteinpodjuna-frueh-mittelalterlicher-friedhof/) gänzlich ohne die Information aus, dass es sich dabei um slawische Siedlungsspuren handelt: In Jaunstein, wo zuletzt Teile eines Friedhofes aus der Zeit zwischen dem 8. und dem 14. Jahrhundert freigelegt wurden, sind die Wissenschafter unterhalb der Kirche auf Reste einer Kirche, die aus dem 10. Jahrhundert stammen dürfte, gestoßen. https://kaernten.orf.at/stories/3064443/ Herzliche Grüße und einen guten Start in die neue Woche!

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