4. August: Tumiany – Synagoge von Barczewo

Freitag war der letzte Tag, den ich zusammen mit meiner Schwester und ihren Töchtern verbracht habe. Da auch die meisten anderen Gäste in Barczewko am Samstag abreisen wollten, haben wir uns verabredet, uns an dem See von Tumiany zu treffen. Dorthin sind dann auch alle am späteren Vormittag aufgebrochen und ich habe in meinem Auto andere Gäste mitgenommen, eine Dame aus Berlin mit ihren beiden Enkeln.
Am See von Tumiany gibt es eine Anlage mit Hütten, in denen man wohnen kann, einen Campingplatz und einen Strand, von dem aus man Tretboot oder Kajak fahren kann. Auch baden kann man, das tut aber offenbar fast niemand. Und es gibt ein nettes kleines Restaurant oberhalb des Sees. Dort haben wir dann den größeren Teil des Tages gefaulenzt und uns erholt. Und ich bin weder Boot gefahren noch habe ich gebadet, war damit aber nicht der einzige.
Am späteren Nachmittag ging es zurück, über Barczewo, wo die meisten noch Einkäufe machen wollten. Ich habe meinen Mitfahrer_innen vorgeschlagen, dass wir die Synagoge anschauen könnten, die ich bei den letzten Besuchen noch gar nicht gesucht hatte. Die Suche war dann nicht ganz einfach, weil mein Navigator uns statt zu der Adresse ins freie Feld oberhalb eines Friedhofs führen wollte. Aber nach Rückfrage bei Einheimischen und zwei weiteren Rundfahrten durch die Innenstadt haben wir die Synagoge gefunden.
Es handelt sich um einen schönen Bau aus dem Jahr 1847, der der Zerstörung nur dadurch entgangen ist, dass die (sehr kleine) jüdische Gemeinde das Haus schon 1937 an Privatpersonen verkauft hat. Heute ist im Gebäude eine Galerie – und diese war auch geöffnet, denn um 18 Uhr sollte die Vernissage einer Ausstellung stattfinden. Der Künstler war mit Helfer_innen beim Aufbau, die Leiterin der Galerie widmete sich uns und war völlig begeistert über die unerwarteten Gäste. Wir haben Tee getrunken und eine Broschüre gekauft, und ich würde verhört, warum ich Polnisch kann, warum ich mich für jüdische Denkmäler interessiere usw.
Ich habe mich dann auch erkundigt, wo der jüdische Friedhof ist, und erfuhr, dass er gerade aufgelöst wurde. Die letzten Grabsteine sind vor einigen Tagen zur Synagoge gebracht worden, lagern jetzt im Hof und sollen Teil eines Lapidariums werden. Nach der Geschichte, die hinter der Auflösung des Friedhofs steht, habe ich lieber gar nicht gefragt. Ich bin froh, dass wenigstens die Grabsteine einen würdigen Platz erhalten.

PS: Ab heute will ich wieder meinen Blog mit Bildern illustrieren und auch die älteren Einträge noch ergänzen. Nur setze ich ab jetzt die Bilder unter den Blog und versuche nicht mehr, sie in den Text einzufügen – ich schaffe das einfach nicht in der Form, die ich eigentlich möchte.

Die ehemalige Synagoge von Barczewo/Wartenburg

 

Jüdische Grabsteine im Garten der Synagoge

 

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