Leider kommt der Blog für gestern heute noch später, und darin zeichnet sich auch eine allgemeine Tendenz ab. Ich bin heute den zwölften Tag unterwegs, und da macht sich eine gewisse „Abschlaffung“ bemerkbar. Ich habe schon viel gesehen, und jetzt zieht es mich gewissermaßen nach Hause. Wo ich allerdings erst in ein paar Tagen ankommen kann, im Moment bin ich über 1300 km von Tübingen entfernt. Und da ich Gewalttouren vermeiden will (darunter verstehe ich alles über 500 km an einem Tag), wird die Rückreise auch ein bisschen dauern. Ich werde auch weiter bloggen, aber vielleicht werden die Texte allmählicher kürzer.
Gestern habe ich jedenfalls den zweiten Ausflug von Chełm aus gemacht, diesmal nach Zamość. Dort war ich schon einmal, im August 2015, und war von der Altstadt, die zum größten Teil aus der Renaissance stammt, total beeindruckt. Die Stadt ist auch schon seit längerem UNESCO-Weltkulturerbe, einerseits verdient, andererseits bedeutet das auch, dass sie ziemlich touristisch ist. Da muss man beispielsweise nicht lange nach einem Restaurant suchen, sondern der gesamte Marktplatz ist gesäumt von Restaurants…
Von Chełm aus führen Landstraßen in Richtung Zamość. Unterwegs habe ich wieder schöne ostslavische Ortsnamen wie Horodysko gelesen, einen kurzen Halt habe ich in Skierbieszów eingelegt, wo 1943
In Zamość war ich dann gegen 11 Uhr, habe am Stadtrand geparkt, auf einem Parkplatz, wo der Parkwächter richtiggehend erschrocken ist, als ich sagte, ich wollte zwei Stunden bleiben. Die kosteten dann eine Gebühr von 6 Złoty… Letztlich war ich drei Stunden dort und habe nachgezahlt, das war wenigstens problemlos möglich.
Vom Parkplatz ging ich in die Altstadt und besichtigte zunächst die
Anschließend machte ich mich auf die Suche nach der nächsten Sehenswürdigkeit, dem Geburtshaus von Rosa Luxemburg, das ich aber nur mit großen Mühen finden konnte, nachdem ich im Internet
Dann begab ich mich schon in Richtung meines Parkplatzes (obwohl ich natürlich noch unendlich viele Kirchen hätte besichtigen können, vermutlich auch Museen), wollte aber doch noch die Synagoge anschauen, die ich als ziemlich beeindruckend in Erinnerung hatte. Das ist sie auch tatsächlich, von außen wie von innen. Draußen musste
Am schönsten finde ich die folgende Episode, die ich kurz berichten will. Der älteste Bruder, der schon früh nach England ausgewandert und dort durch die Heirat mit einer Engländerin auch die britische Staatsbürgerschaft erworben hatte, wurde 1908 in Odessa verhaftet, wegen des Verdachts staatsfeindlicher Umtriebe. Die gab es natürlich nicht, sondern man verdächtigte ihn einfach wegen seiner Verwandtschaft mit Rosa Luxemburg. Nach mehreren Wochen Haft wurde er freigelassen – und die britische Regierung hat darauf bestanden, dass er von der russischen Regierung eine Haftentschädigung bekommt, in Höhe von 70.000 Rubeln. Das waren wirklich noch eine andere Zeiten.
Nach Besichtigung der Synagoge und der Ausstellung bin ich nach Chełm zurückgefahren und war abends noch essen, aber es gibt da eigentlich nichts mehr zu berichten.