Gestern bin ich von Sárospatak nach Südwesten gefahren, in die Stadt Jászberény. Diese Stadt kennt wohl kaum jemand von meinen Leserinnen und Lesern, und manche werden sich die Frage stellen, was ich dort eigentlich möchte. Dazu ist zu sagen, dass Jászberény die Hauptstadt der Region Jászság ist, die ich ziemlich interessant finde. Hier siedelten nämlich ab dem frühen Mittelalter die Jassen (ungarisch Jász), eine iranische Volksgruppe, die von den Alanen abstammt und mit den Osseten im Nordkaukasus verwandt war. Leider ist das Jassische schon im 16. Jahrhundert ausgestorben (und es gibt nur eine Wortliste von ca. 40 Wörtern aus dem Jahr 1422). Aber die Gegend soll immer noch Besonderheiten in der Folklore und Volkskunst aufweisen. Darüber werde ich mich heute im Jász Múzeum eingehend informieren.
Der Weg von Sárospatak nach Jászberény ist nicht besonders spektakulär, aber ich hatte mir vorgenommen, unterwegs Miskolc zu besuchen. Dort war ich schon öfter, aber das letzte Mal ist lange her.
Zunächst fuhr ich auf der Straße, auf der ich am Vortag nach Tokaj gefahren war. Und unterwegs wurde mir bald ein jüdischer Friedhof angezeigt, den ich am Vortag verschmäht hatte. Diesmal bin ich abgebogen und war bald in dem kleinen Ort Olaszliszka, wo sich der Friedhof befindet. Er wurde in den letzten Jahren wieder instandgesetzt und wird von denselben Chassidim verwaltet wie der in Bodrogkeresztür. So konnte ich dort noch einmal jiddische Aufschriften fotografieren. Auf dem Friedhof war ich im Übrigen allein.



Dann fuhr ich weiter, und schon kam der nächste Hinweis, und zwar auf die Synagoge von Mád. Weil noch Vormittag war, habe ich auch dieser Versuchung nachgegeben, und es hat sich wirklich gelohnt. Diese Synagoge stammt aus dem Jahr 1795 und gehört zu den ältesten erhaltenen Synagogen Ungarns. Sie wurde in den letzten Jahren gründlich renoviert und kann jetzt besichtigt werden. Die Synagoge ist im Barockstil erbaut und ganz ausgemalt, allerdings nur mit Pflanzenmotiven.




Von Mád bin ich nach Miskolc weitergefahren. Dort habe ich am Rand der Altstadt geparkt und habe die Stadt zu Fuß erkundet, allerdings nicht sehr lange. Es war inzwischen wieder sehr heiß geworden, und ich fühlte mich nicht so gut. Also habe ich mich auf einen Rundgang beschränkt und habe die Synagoge (die in der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde und eine der größten Ungarns ist) links bzw. in diesem Fall rechts liegen lassen.
Nach einem Mittagessen in einem Fischrestaurant bin ich dann weitergefahren, durch die Hitze und mit vielen Pausen. Ich habe auch versucht, in einem Supermarkt etwas Kaltes zu trinken zu kaufen. Nur war das Mineralwasser dann nicht sehr kalt und außerdem mit irgendwelchen Mineralien angereichert. Es wäre halt doch gut, wenn man Ungarisch könnte…


In Jászberény habe ich schnell das Hotel gefunden und mich erstmal hingelegt. Abends bin ich noch in der Stadt herumgelaufen, die wirklich eine Provinzstadt (im besten Sinne des Wortes) ist. Die meisten Häuser sind zweistöckig, es gibt viel Grün, merkwürdige Denkmäler und ein paar repräsentative Gebäude. Die Stadt scheint 1956 besonders gelitten zu haben, dem muss ich noch nachgehen.
Als letztes habe ich das Museum fotografiert, das ich heute als erstes besuchen will.





