Vorgestern Abend hatte ich noch überlegt, was ich wohl gestern unternehmen sollte, in einer Stadt, die ich eigentlich schon ziemlich gut kenne. Allerdings ist die Versuchung, zum vierten Mal das Schloss von Sárospatak zu besuchen, ohne die Führung zu verstehen, schon dadurch vereitelt worden, weil gestern Montag war. Und an Montagen ist das Schloss geschlossen. Ich hätte in das Museum der Schulgeschichte (im Reformierten Kollegium) gehen können, das hat auch am Montag geöffnet. Aber die Erinnerung an den letzten Besuch ist noch präsent, deshalb hat mich das gar nicht so gelockt. So bin ich vormittags erstmal in der Unterkunft geblieben, habe E-Mails geschrieben und andere Dinge erledigt.
Erst in der Mittagszeit bin ich aufgebrochen und habe mich auf die Suche nach der ehemaligen Synagoge von Sárospatak gemacht. Auf die Idee, hier nach Spuren jüdischen Lebens zu suchen, war ich erst vor kurzem gekommen, als mir auffiel, dass bei der Aufzählung der Sehenswürdigkeiten die Synagoge fehlt. Da wird nur ein jüdischer Friedhof erwähnt, auf dem ich natürlich auch noch nicht war.
Nach längerer Suche im Internet konnte ich schließlich doch etwas über Juden in Sárospatak herausfinden. Sie waren wie in allen ungarischen Städten hier durchaus vertreten, hatten eine Synagoge und neben der Synagoge eine Art Gemeindezentrum (mit Mikwe u. a. m.). Im April 1944 wurden die Juden von Sárospatak deportiert und zum größten Teil ermordet. Etwa 200 Überlebende kamen nach dem Krieg zurück und verwendeten auch weiter die Synagoge. Aber irgendwann in den Sechzigerjahren haben sie sie verkauft, und heute gibt es hier keine jüdische Gemeinde mehr.
Irgendwo stand dann auch die Adresse der Synagoge. Dort bin ich gestern hingegangen und habe ziemlich gestaunt. Die frühere Synagoge ist heute ein Baugeschäft und steht mitten im Stadtzentrum – ich bin viele Male an ihr vorbeigegangen, habe das (etwas heruntergekommene) Gebäude aber nicht weiter beachtet. Und daneben ist das ehemalige Gemeindezentrum. Wenn man es sieht, fragt man sich, warum man das nicht gleich gemerkt hat…
Dann bin ich mit dem Auto zum jüdischen Friedhof gefahren, der auch ganz ordentlich auf allen Karten eingezeichnet ist. Trotzdem habe ich ihn nicht gleich gefunden, bzw. da, wo er sein sollte, war eine Reihe von Garagen. Und auf deren Rückseite befindet sich der Friedhof, der aber nicht zugänglich war. Wahrscheinlich hätte man jemanden anrufen können, aber darauf habe ich verzichtet und habe nur über die Mauer hinweg Fotos gemacht. Zum Glück ist die Mauer an manchen Stellen ziemlich niedrig… Der Friedhof ist ziemlich groß, aber nur zum Teil belegt, und man sieht auch einige große und repräsentative Grabmäler.






Mein nächstes Ziel war ein Naturdenkmal namens Tengerszem. Wegweiser zu ihm finden sich in Sárospatak, aber weil das Wort „Meerauge“ bedeutet, konnte ich mir zunächst nichts darunter vorstellen. Dann habe ich mich informiert und habe erfahren, dass es um einen Bergsee geht, der aber nicht auf natürliche Weise entstanden ist. Hier war ursprünglich ein Bergwerk, in dem Tuff abgebaut wurde, bis 1909. Dann ist Wasser in das Bergwerk eingedrungen, und der See liegt unter hoch aufragenden Felswänden.
Ich bin mit dem Auto dorthin gefahren und habe auf einem Wanderparkplatz geparkt. Daneben gab es einen kleinen Imbiss, wo u.a. „gerösteter Tee“ (sült tea) angeboten wurde. So etwas habe ich noch nie getrunken und habe gleich einen Tee bestellt. Erst wurde ich gefragt, ob ich ihn hier trinken oder mitnehmen will, dann durfte ich zwischen verschiedenen Sorten wählen und bekam einen Früchtetee mit Obststückchen und gewürzt, eigentlich ganz gut. Während ich den Tee trank, habe ich auf meinem Handy in der ungarischen Wikipedia nachgeschaut und habe erfahren, das sei eine tschechische Spezialität namens pečený čaj. Von der habe ich freilich noch nie gehört.
Dann habe ich den Berg bestiegen, auch hier wieder kein anstrengender Weg, durch ein Wäldchen. Oben angekommen stand ich dann erst am See und schaute in die Tiefe. Weiter oben gab es auch noch einen Aussichtspunkt, von dem aus ich noch einmal fotografiert habe. Eine Gruppe von Polen, die auch hier war, diskutierte über einen Turm, auf den man steigen könnte. Dessen Existenz habe ich dann gleich (natürlich auf Polnisch) bestritten, weil ich ja schon oben gewesen war. Aber es gibt ihn offenbar wirklich, in einiger Entfernung, jedenfalls war er auf der Wanderkarte eingezeichnet.
Das ist der Bericht über gestern, mal sehen, wohin es mich heute verschlägt.










