Für den 10. August hatte ich es mir vorgenommen, vor allem die Stadt Sanok zu besuchen, in die ich es 2015 nicht mehr geschafft habe. Sie liegt ziemlich weit östlich, im Dreiländereck Polen – Slowakei – Ukraine, und sie hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Auf dem Weg nach Sanok habe ich in Haczów haltgemacht, wo ich schon einmal war – dort steht die größte Holzkirche Polens, erbaut um 1500. Ich fand sie damals sehr eindrucksvoll und hätte gerne eine Führung mitgemacht. Aber außer mir war damals niemand da. Die Kirche war offen und begehbar, und man konnte auch Postkarten kaufen, an einem Stand, aber alles ohne Menschen. Ich hätte mich aber gerne mit jemandem unterhalten, z.B. über die deutsche Vergangenheit des Dorfs. Es wurde nämlich von deutschen Siedlern gegründet und hieß ursprünglich Hanshof, wurde dann aber im 17. Jahrhundert polonisiert.
Gestern habe ich die Kirche erstmal übersehen, sie steht nämlich hinter einer neuen Kirche, die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurde. Ich musste aber nicht lange suchen. Die Kirche war wieder offen und es stand wieder niemand für eine Führung bereit, aber es waren Handwerker in der Kirche, die auf einem Gestell stehend die Wandgemälde restaurierten. Die habe ich nicht angesprochen, weil ich befürchtete, dann aus der Kirche gejagt zu werden. Ich habe still die Kirche angeschaut und zuletzt auch ein Buch über alle Priester von Haczów von Anbeginn bis heute gekauft. Die deutsche Besiedlung wird dort kurz erwähnt, aber mit dem Vermerk, dass selbstverständlich immer auch Polen hier gewohnt hätten.
Dann bin ich in Richtung Sanok gefahren und dort kurz vor 12 Uhr angekommen. Die Stadt liegt auf einem Hügel hoch über dem Fluss San, und ich fand zum Glück einen Parkplatz im Tal, von wo man einfach nur über Treppen hinauflaufen musste. Als erstes wandte ich mich nach links und kam zum Hauptplatz, wo mir vor allem das Franziskanerkloster auffiel. Es hat eine Beziehung zu Kardinal Wyszyński, der von 1953 bis 1956 in der Nähe interniert war (aber offenbar nicht im Kloster selbst). Dann wollte ich etwas trinken und wurde von einem netten Franziskaner am Straßenrand in einen Teeladen gelockt, wo ich guten grünen Tee genossen habe.
Danach bin ich in der Stadt herumgelaufen, war beim beeindruckenden Schloss (das aber leider geschlossen war), in der orthodoxen Kirche und in der Stadtkirche. Gegenüber von der orthodoxen Kirche gab es auch Werbung für eine Pfingstkirche, aber die kam für mich zu spät… Insgesamt war es aber leider sehr heiß, und so bin ich letztlich gar nicht so lange geblieben. Vielleicht komme ich mal im Winter wieder…
Abends war ich noch in Jasło essen (diesmal zur Abwechslung vietnamesisch) und bin bald danach ins Bett gegangen.
Der 10. August war ein Sonntag, und daher wollte ich als erstes einen Gottesdienst besuchen, so wie ich das auf meinen Reisen immer mache. Im Falle von Jasło ist das nicht so einfach, denn Protestanten der mir vertrauten Art gibt es im Karpatenvorland nicht. Hier dominiert die katholische Kirche, außerdem gibt es Pfingstler und andere Freikirchen. Ich habe zunächst erwogen, diesmal zu den Pfingstlern zu gehen, wurde aber misstrauisch, als ich feststellte, dass es ihre Homepage nicht mehr gibt… Außerdem habe ich auf YouTube die Aufzeichnung eines älteren Gottesdienstes gefunden, der zwei Stunden dauerte…
So bin ich schließlich in den katholischen Gottesdienst gegangen, der mir auch sehr gut gefallen hat. Radikale Töne fehlten fast ganz, und die Predigt habe ich verstanden (was ja leider auch nicht selbstverständlich ist). Amüsant fand ich, dass statt der Gemeinde meistens ein Sänger gesungen hat (der sollte wohl zum Mitsingen animieren, aber das ist nicht gelungen). Und die Liedtexte wurden auf zwei Bildschirme projiziert, sodass niemand ein Gesangbuch brauchte.
Nach dem Gottesdienst bin ich zu meinem ersten Ziel aufgebrochen, dem archäologischen Freilichtmuseum in Trzcinica, 5 km von Jasło entfernt. Für dieses Museum wird wenig Reklame gemacht, ich habe es eher zufällig im Internet gefunden. Und nach der Zufahrt musste ich länger suchen, sie ist nur bescheiden ausgeschildert. Sobald man dort ist, wird man aber von Plakaten und Schildern begrüßt, dass man im Karpatischen Troja angelangt sei, das lässt ja schon auf einiges hoffen.
Die Ausgrabungsstätte ist insofern sehr interessant, weil hier mehrere Schichten übereinander liegen, mit einer großen Pause in der Mitte. Die älteste Schicht wird der sog. Pleszów-Kultur zugerechnet, einer Untergruppe der Mierzanowice-Kultur, und beginnt etwa 2100 v.Chr. Diese Siedler wurden um 1650 durch Siedler der Otomani-Füzesabony-Kultur abgelöst, die über die Kunst der Metallherstellung verfügten (auf dem Gelände gibt es Spuren von Öfen und viele metallische Gegenstände). Die Ablösung erfolgte friedlich, d.h., die beiden Gruppen lebten noch eine gewisse Zeit nebeneinander. Um 1350 v.Chr. endete die Besiedlung aber abrupt, durch ein kriegerisches Ereignis oder eine Naturkatastrophe. Und mehr als 2000 Jahre später siedelten sich um 770 n.Chr. neue Siedler an, offenkundig Slawen und Vorfahren der heutigen Polen. Sie blieben dort bis 1031, dann wurde die Siedlung zerstört und nicht wieder besiedelt. Die genauen Zahlen mögen überraschen, aber sie basieren auf dendrochronologischen Untersuchungen. Und das Ende kann man anhand eines riesigen Münzfundes gut datieren (die jüngsten Münzen stammen aus den zwanziger Jahren des 11. Jahrhunderts).
Das Ausstellungsgelände besteht aus einer Eingangshalle, in der ein Film gezeigt wird und wo ein paar Funde ausgestellt werden, und einem Freilichtgelände mit rekonstruierten Bauten der verschiedenen Epochen. Ich bin ja kein großer Fan von rekonstruierten vorzeitlichen Gebäuden, hier ist die Rekonstruktion aber wenigstens sparsam und nur auf die Gebäude selbst beschränkt (ohne imaginierte Interieurs). Trotzdem ist es komisch, wie sich die Epochen nebeneinander abwechseln, obwohl sie ja eigentlich auf demselben Gelände gelebt haben, und zwar sowohl in der Ebene wie auch auf dem eigentlichen Burgberg, auf den steile Wege und Treppen hinaufführen. Ich bin bis ganz oben gegangen und habe nur auf die Besteigung des Aussichtsturms verzichtet (ich steige schon seit längerem nicht mehr auf Türme…). Oben gab es dann auch einen Laden mit Bar, wo ich ein alkoholfreies Bier der Marke „Geist des San“ (Duch Sanu) getrunken habe (der San ist der größte Fluss der Gegend, allerdings östlich von hier). Im Laden hätte man urslawische Devotionalien kaufen können (Schwerter, kleine Idole, Tücher etc.), darauf habe ich aber verzichtet.
So interessant das alles ist, haben mich doch ein paar Dinge gewundert. So wird in der Ausstellung überhaupt nicht diskutiert, wie die slawische Siedlung in ihrer eigenen Zeit hieß. Im Internet habe ich gefunden, dass der Name Trzcinica erst später belegt ist und dass die Bevölkerung die Gegend Wały Królewskie (Königliche Wälle) genannt hat. Das war aber sicher nicht der ursprüngliche Name. Weiterhin wundert mich, dass überhaupt nicht darüber gesprochen wird, ob der Ort in irgendwelchen zeitgenössischen schriftlichen Quellen vorkommt. Sehr auffällig ist auch, dass nichts zur Religion gesagt wird (so etwas ist in Polen sehr ungewöhnlich). Dabei müssten die Bewohner ja irgendwann nach 966 Christen geworden sein.
Nach der Besichtigung des Karpatischen Trojas bin ich weiter nach Westen gefahren, in die Stadt Biecz. Ich muss gestehen, dass ich von der noch nie gehört hatte, dabei hat sie vom 14. bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts eine wichtige Rolle gespielt. Nach einer Legende soll sie sogar zeitweise Hauptstadt Polens gewesen sein, in Wirklichkeit ging es darum, dass der König Władysław Ellenlang dort eine kurze Zeit residierte (als er noch Seniorherzog und noch nicht König war). Die Stadt hat aber nicht nur eine bedeutende Vergangenheit, auch heute noch macht sie durch viele Renaissancebauten einen großen Eindruck. Dazu zählt etwa das historische Rathaus mit Turm am Hauptplatz (vor dem die Figur eines Henkers steht), die aus dem 16. Jahrhundert stammende Apotheke, in der heute das Stadtmuseum ist, und die Fronleichnamskirche. Die ehemalige Synagoge stammt zwar aus dem 19. Jahrhundert, ist aber auch ein sehr schöner Bau (heute ist dort das aktuelle Rathaus). Das alles habe ich in der großen Hitze besucht…
Wie viele ostpolnische Städte war auch Biecz zeitweise von Deutschen besiedelt. Genauere Angaben dazu habe ich gestern nicht gefunden, werde mich aber nach meiner Heimkehr noch ausführlicher bilden. Einen deutschen Namen trägt auch der größte Sohn von Biecz, der Historiker und Fürstbischof Marcin Kromer (1512–1589), übrigens ein großer Aktivist der Gegenreformation. Er war ab 1579 Fürstbischof von Ermland.
In der deutschen Wikipedia wird auch über Einflüsse der Reformation berichtet. So soll es 1522 einen Prozess gegen den Priester Marcin Beier aus Binarowa gegeben haben, der mit dessen Verurteilung wegen Ketzerei geendet hat. Er wurde aber nicht zum Tode verurteilt, widerrief und war noch längere Zeit Priester.
Ich schaute nach, wo Binarowa liegt, und sieh da, es ist nur wenige Kilometer von Biecz entfernt. Und es gibt dort eine Holzkirche vom Ende des 15. Jahrhunderts. Zu der bin ich gefahren und habe sie mir von außen angeschaut, weil nirgends stand, wann sie geöffnet ist. Aber auf einmal öffnete sich die Türe und eine Dame bat mich ins Innere. Sie ist die offizielle Führerin und hat mich dann etwa 20 Minuten lang unterhalten, mit einem Redeschwall.
Die Kirche ist aber wirklich sehr interessant. Sie ist ganz ausgemalt (die Decke mit Ornamenten, alles andere mit Episoden aus der Bibel), es gibt eine hölzerne Kanzel, auf der die Jakobsleiter abgebildet ist, und noch vieles andere. Die Ausführungen waren interessant, aber sehr lang, und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich nicht so schnell wieder aus der Kirche herauskomme. Die Rettung kam dann in Form eines Pärchens in Motorradkluft, das auch in die Kirche gelockt wurde. Erst erzählte die Führerin noch Neues, dann begann sie sich zu wiederholen – und diese Chance ergriff ich, um mich herzlich zu bedanken und zu entschwinden.
Dann bin ich noch in die Stadt Gorlice gefahren, die ich 2015 schon besichtigt habe. Schon damals fand ich, dass erstaunlich wenig zu sehen ist, diesmal habe ich nach jüdischen Denkmälern gesucht und zwei gefunden: Ein Wandgemälde, das an eine ehemalige Synagoge erinnert, und eine Gedenktafel, die an die Deportation der Juden erinnert, an einer Bäckerei, die mal Synagoge war.
Abends bin ich noch in Jasło essen gegangen und habe mich dann schnell schlafen gelegt.
Am 8. August bin ich von Bielany nach Jasło gefahren, einer Stadt im Karpatenvorland, wo ich die nächsten Tage verbringen will. Nun wird sich manche und mancher fragen, warum ich denn gerade nach Jasło gefahren bin, aber das hat mehrere Gründe. Der wichtigste Grund ist natürlich, dass ich eine Stadt besuchen will, in der ich noch nicht war, und das trifft für Jasło zu. Den Namen der Stadt kenne ich zwar schon sehr lange, aus der Autobiografie des jüdischen Mathematikers Hugo Steinhaus, der von hier stammte. Er hat den Holocaust versteckt überlebt, und wenn ich mich nicht täusche, auch teilweise in dieser Gegend. 2015 wollte ich den Ort tatsächlich besuchen, das ist damals aber misslungen, wie man hier nachlesen kann. Aber jetzt war es so weit. Ein kleines Problem besteht allerdings darin, dass es in Jasło fast nichts zu sehen gibt… Dazu später mehr.
Von Bielany bis Jasło fährt man ungefähr drei Stunden, also bot es sich an, unterwegs etwas zu besichtigen. Und so habe ich beschlossen, die Benediktinerabtei Tyniec südlich von Krakau besichtigen, die ich schon mehrfach gesehen, aber nie besucht habe. Gesehen habe ich sie deshalb, weil man sie bei Schifffahrten auf der Weichsel gut sieht. Aber von der Stadt aus kommt man nicht so gut zu ihr, und deshalb habe ich das noch nie getan.
Mit dem Auto fuhr ich auf kleinen Straßen Richtung Krakau, vorbei an Wadowice und Zator. Wadowice ist die Heimat von Johannes Paul II., da war ich schon mehrfach, Zator würde mich im Prinzip schon reizen, aber ich bin trotzdem nicht abgebogen. Und irgendwann kurz vor 12 Uhr war ich in Tyniec.
Der Weg zur Abtei und von ihr zur Weichsel war vollgeparkt, aber etwas weiter oben habe ich am Friedhof einen Parkplatz gefunden. Ich ging zu Fuß zur Abtei und erkundigte mich nach einer Führung. Und ich hatte das große Glück, dass die nächste Führung um 12 Uhr begann.
Ich schloss mich also einer Gruppe an, die ein netter Herr namens Borys leitete. Als erstes fragte er, woher wir denn kämen – fast alle Besucher_innen waren aus Krakau und Umgebung, eine Dame aus Masuren. Und ich habe lieber geschwiegen, ich wollte die armen Leute ja nicht verwirren.
Die Führung war gut, wenn auch ein bisschen volkstümlich, mit Anekdoten und Anspielungen auf die klassische polnische Literatur. Und manchmal reichte auch mein Polnisch nicht aus.
Zunächst wurden wir in die Geschichte der Abtei eingeführt, und die ist schon ein bisschen speziell. Sie soll die älteste Abtei Polens sein, 1044 gegründet, die Jahreszahl steht aber nur in einer unzuverlässigen Quelle. Dafür ist die Kirche aber wirklich aus dem 11. Jahrhundert. Das Kloster wurde aber öfter belagert und beschädigt, z.B. im 15. Jahrhundert von den Tschechen, und 1772 wurde sie von den Russen unter Suworow weitgehend zerstört. Dann kamen die Österreicher, die das Kloster 1816 schlossen. Und dann war es lange unbewohnt und faktisch eine Ruine. Als Polen unabhängig geworden war, gab es Pläne, das Kloster wieder zu eröffnen, und das geschah auch, sinnigerweise im Juli 1939… Der Wiederaufbau begann erst nach dem Krieg, dauerte ziemlich lange und ist immer noch nicht ganz abgeschlossen.
Dann besichtigten wir einige Räume im Kloster, u.a. das Skriptorium, wo Borys viel über das heutige Kloster erzählte, in dem über 20 Mönche wohnen. Und es gibt auch immer wieder Novizen. Ziemlich lustig fand ich, dass explizit erwähnt wurde, dass man als Mönch das Handy nur tagsüber verwenden darf und als Novize ein ganzes Jahr lang nicht. Ich muss mal in der Regula Sancti Benedicti nachschauen, was da festgelegt wurde…
In der Krypta erzählte uns der Führer, was man alles bei Grabungen gefunden hat, etwa einen Sarkophag, den man Bolesław dem Kühnen (1042–1081) zuschrieb, dessen Grab bisher unbekannt ist. Diese Theorie hat sich aber nicht bewahrheitet. Dafür sind die Gräber der beiden ersten Äbte eindeutig identifiziert.
Zuletzt führte uns Borys in die Kirche und verschwand, wahrscheinlich darf man dort keine Führung machen. Die Kirche ist schön, aber offenkundig neueren Datums (trotz romanischer Fundamente und einiger gotischer Elemente).
Nach der Besichtigung ging ich zur Weichsel hinunter und habe in einem Imbiss etwas gegessen, mit Blick auf Kloster und Fluss. Und dann bin ich in Richtung Jasło weitergefahren, wo ich gegen 16:30 eintraf.
Nach einer kleinen Ruhepause habe ich Jasło besichtigt und festgestellt, dass es wirklich fast nichts zu sehen gibt. Die Stadt ist zwar alt (gegründet 1364) und spielte auch schon im Mittelalter eine Rolle. Durch Stadtbrände wurde sie aber mehrfach zerstört (z.B. 1826), und 1944 verwüsteten die abrückenden deutschen Truppen sie gründlich. Außer dem Rathaus und einigen Kirchen gibt es heute keine Sehenswürdigkeiten mehr. Aber davon abgesehen ist es eine nette ostpolnische Stadt, wo abends auf dem Hauptplatz auch wirklich etwas los ist usw.
Nach meinem Spaziergang habe ich im Hotel gegessen und bin bald ins Bett gegangen.
Am Vormittag bin ich wieder nach Pszczyna gefahren, um nun wirklich das Schloss zu besuchen. Ich habe wieder auf demselben Parkplatz geparkt (und wieder mit dem Parkautomaten gekämpft), aber als ich zum Hauptplatz kam, erlebte ich eine große Überraschung. Der war nämlich abgesperrt, überall standen Soldaten mit entsprechendem Gerät, daneben Feuerwehr und diverse staatliche Organisationen. Ich habe mich nicht getraut, viel zu fotografieren, aber immerhin kann ich mit einem Bild des Stands von Frontex und vom Gefängnis in Cieszyn/Teschen dienen.
Lange bin ich aber nicht verweilt, sondern ging schnell ins Schloss und kaufte mir eine (verbilligte!) Eintrittskarte. Ich bat auch um einen Audioguide, weil ich mit denen gute Erfahrungen gemacht habe. Ich habe den polnischen genommen, obwohl es auch einen deutschen gab – das hat mich überrascht, aber beim Besuch des Schlosses wurde klar, warum.
Das Schloss in Pszczyna ist zwar ziemlich alt (belegt seit dem 12. Jahrhundert), aber es wurde umgebaut und der heutige Stand ist der von 1876, also aus den Zeiten des deutschen Kaiserreichs. Und die Ausstattung stammt vom Ende des 19. und vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals gehörte das Schloss Hans Heinrich XV. von Pleß und seiner Gattin Daisy (einer Engländerin), die beide zu den Spitzen der deutschen Aristokratie gehörten. Besonders gerne war Wilhelm II. zu Gast, und im Ersten Weltkrieg war von 1915 bis 1917 das deutsche Hauptquartier im Schloss.
Ausstellungen in einem Schloss mit einer solchen Vergangenheit kann man sicher verschieden gestalten. In Schloss Pleß hat man den Weg gewählt, schlicht zu beschreiben und alles Politische nur am Rande zu erwähnen. Der Höhepunkt war, dass im Besprechungszimmer mitgeteilt wurde, dass hier der U-Boot-Krieg beschlossen wurde, der zum Kriegseintritt der USA führte.
Ich bin relativ schnell durch das Schloss gegangen, habe mir aber nicht nehmen lassen, einiges zu fotografieren, z.B. das Bett von Wilhelm II. Aber ich war froh, als ich wieder draußen war… Als nächstes habe ich die große Kirche gegenüber vom Schloss besichtigt, das ist sinnigerweise die evangelische Kirche des Orts (die Anhalts, Hohenzollern etc. waren ja alle evangelisch). Die katholische Kirche ist in der Nähe, aber deutlich kleiner.
Dann bin ich nach Wilamowice gefahren, wo ich mich im Museum der Stadt mit Tymoteusz Król, dem wichtigsten Aktivisten für die Kultur und Sprache von Wilamowice, getroffen habe. Wir waren zusammen in der nach wie vor einzigen Gaststätte des Orts (Rogowa) essen und haben uns wie immer gut unterhalten. Dann gingen wir zurück zum Museum, wo einige Leute mit Fahnen standen, kurz darauf sollten nämlich Radfahrer der Tour de Pologne 2026 vorbeikommen. Wie ich erfuhr, liegt der Stadt sehr viel daran, Wilamowice auf diese Weise in der Welt bekannt zu machen. Wie viel die Rennfahrer, wenn sie vorbeirasen, wahrnehmen, sei dahingestellt.
Gegen 16 Uhr war ich wieder im Hotel, bin noch einmal in einen Ort der Umgebung einkaufen gefahren und habe abends noch einmal Bielany besichtigt. Zum ersten Mal war die Kirche geöffnet, und so kann ich ein Bild von ihr zeigen. Ich schließe mit einer kleinen Anekdote vom Abendessen im Restaurant: Da saß am Nebentisch eine ungarische Familie (Vater, Mutter, eine Tochter, zwei Söhne), die sich mit der Speisekarte ziemlich schwer tat (obwohl die auch auf Englisch vorlag). Aber zuletzt fanden sie doch eine Lösung des Problems: Es wurde einfach Gulasch bestellt!
An diesem Tag bin ich erst gegen 10 Uhr in Niesky abgefahren, erstens weil ich etwas gemütlicher gefrühstückt habe, zweitens weil ich doch Einkäufe machen wollte (die freilich misslungen sind). Auf der Autobahn habe ich schon bald die Grenze überquert, kurz nach Görlitz, und bin dann in Richtung Breslau/Wrocław gefahren. Leider zog sich diese Strecke viel mehr, als ich erwartet hatte. Es war viel Verkehr und es gab auch mehrere Staus. Erst nach Breslau konnte ich zügiger fahren. Auf der Höhe von Katowice habe ich die Autobahn verlassen und bin auf einer Schnellstraße nach Süden gefahren. Hier war wieder viel Verkehr, und so war ich erst gegen 16 Uhr in Bielany an der Sola, wo ich ein Zimmer im Hotel Przystań nad Solą reserviert hatte.
Das Zimmer habe ich schnell in Besitz genommen und bin gleich wieder gefahren, denn eigentlich hatte ich an diesem Tag noch etwas besichtigen wollen, einen Ort, den ich noch nicht kenne. Ausgewählt hatte ich die Stadt Pszczyna/Pleß, einen Ort mit Schloss und Schlosspark sowie mit einer hübschen Innenstadt. Die Stadt liegt etwa 25 km von Bielany entfernt, aber ich habe über eine halbe Stunde gebraucht, um dort hinzukommen.
Ich habe mein Auto geparkt und bin dann zum Hauptplatz gegangen, wo ich einen Kaffee getrunken habe. Und dann habe ich mich in den Schlosspark begeben, für das Schloss hätte die Zeit nicht mehr gereicht (ich habe den Besuch am nächsten Tag nachgeholt).
Der Schlosspark ist ein schöner Park im englischen Stil, mit Teichen und viel Wald. Gelegentlich stehen auch Gedenksteine oder kleine Bauwerke da, so z.B. der Eiskeller, der aber leider geschlossen war. Am beeindruckendsten fand ich den Friedhof der Familie von Anhalt, der das Schloss von 1765 bis 1847 gehörte. Der Friedhof liegt im Wald und ist sehr schlicht (und evangelisch!).
Anschließend bin ich noch nach Wilamowice gefahren, einfach um die Stadt zu begrüßen und ein Selfie zu machen. Das Selfie mit dem Stadtheiligen Józef Bilczewski ist aber leider misslungen und kann daher nicht veröffentlicht werden.
Abends bin ich noch in Bielany spazieren gegangen, wo es außer einer Kirche von 1828 nichts zu sehen gibt. In der Kirche war ich erst am nächsten Tag, aber am Abend des 6. August habe ich immerhin eine Tafel zur Geschichte des Dorfs gefunden, auf der interessante Dinge stehen. So weiß ich jetzt beispielsweise, dass die Brücke über die Soła, an der das Hotel steht und über die ich viele Male gegangen bin, von Häftlingen aus Auschwitz gebaut wurde (das Lager ist nur 12 km vom Ort entfernt). Diese Information hat mich bedrückt gemacht, es war mal wieder so ein Fall, wo die Vergangenheit auf einmal die Wahrnehmung des heutigen Ortes beeinflusst.
Den Abend habe ich im Hotel verbracht und bin früh ins Bett gegangen.
Am 5. August bin ich in der Mittagszeit in Darmstadt losgefahren, und zwar erstmal nach Norden. Ich wollte in diesem Jahr nicht die südliche Strecke nach Wilamowice nehmen, die über Prag führt, sondern die nördliche über Erfurt und Dresden. Dabei war klar, dass ich am ersten Tag nicht bis Wilamowice kommen würde, daher habe ich gleich eine Übernachtung in Niesky eingeplant.
Niesky liegt zwischen Bautzen und Görlitz, nördlich der Autobahn, und ich war nie wirklich dort. Ich bin nur einmal mit einem Bus durchgefahren… Und damit war die Bedingung, die ich mir gestellt habe, für den ersten Tag schon mal erfüllt.
In Niesky hatte ich ein Zimmer in einem Hotel gebucht. Ich bin kurz nach 19 Uhr eingetroffen, habe zu Abend gegessen und später noch die Stadt erkundet. Niesky ist eine Gründung der Herrnhuter aus dem Jahr 1742, und zwar wurden dort böhmische Glaubensflüchtlinge angesiedelt. Ob die nun deutsch- oder tschechischsprachig waren, weiß ich nicht. Das ließe sich vermutlich herausfinden, aber darauf verzichte ich erstmal. Wichtig ist mir die Feststellung, dass man nicht per se davon ausgehen kann, dass es um Tschechen ging.
Mitten in der Stadt liegt der Zinzendorfplatz und an ihm die Kirche (die natürlich geschlossen war). Von der Herrnhuter Vergangenheit zeugen große Gebäude wie das Brüderhaus oder das von der Diakonie betriebene Hospiz. Und an einem Haus stand auch ein Bibelspruch. Wie aktiv die Herrnhuter noch im Stadtleben sind, habe ich aber nicht überprüft.
Heute eröffne ich den Blog zur diesjährigen Sommerreise. Einen solchen Blog habe ich seit 2011 in fast jedem Sommer geführt, und manchmal auch im Frühjahr. Aber im letzten Jahr ist die Berichterstattung im Februar mittendrin abgebrochen, schlicht weil ich nicht mehr so richtig wusste, was ich eigentlich schreiben soll. Ich war nämlich im Wesentlichen an Orten, wo ich schon oft gewesen bin und über die ich mehrfach berichtet habe. In diesem Jahr will ich einen neuen Versuch starten. Das ist auch eine Reaktion auf (wenige) Nachfragen, ob ich wieder bloggen würde. Allerdings geht das nur, wenn ich wirklich auch neue Orte besuche. Ich habe mir deshalb (aber nicht nur deshalb) für die Reise in diesem Jahr vorgenommen, dass ich an jedem Tag mindestens einen Ort besuche, wo ich überhaupt noch nie war – oder vor sehr langem. Die Reise führt aber ansonsten in bekannte Gegenden. Ich beginne in Wilamowice (wo ich wirklich schon oft war), fahre dann ins Karpatenvorland, dann weiter in die Ostslowakei und dann nach Ungarn. Und ich verspreche interessante Ziele. Die Tschechische Republik spare ich in diesem Jahr völlig aus. Bzw., genauer gesagt, werde ich sie „umrunden“.
Am zweiten Tag unternahm ich von Bielany aus einen Ausflug in den tschechischen Teil Schlesiens, also in das Gebiet, das früher Österreichisch-Schlesien hieß. Es mag verwundern, dass ich, kaum in Polen angekommen, dieses Land schon wieder verlassen habe, aber das lässt sich leicht erklären. In den letzten Jahren habe ich von hier aus fast alles in der Umgebung angeschaut, und jetzt hatte ich keine großen Ideen mehr. Außer, dass ich mir mal die andere Seite der Grenze anschauen wollte, die ja eigentlich eine künstliche Grenze ist, die es erst seit 1919 gibt. Historisch und kulturell gehören beide Seiten der Grenze zusammen. Und es ist kein Zufall, dass auf der tschechischen Seite der Grenze eine polnische Minderheit von etwa 50.000 Menschen lebt.
Trotzdem bin ich als erstes nach Wilamowice gefahren (das gehört sich einfach) und habe den üblichen Rundgang durch die Stadt gemacht, beginnend beim Denkmal des Hl. Józef Bilczewski, vorbei an dem Traditionsgasthaus Rogowa (wo ich dann am nächsten Tag auch gespeist habe) bis zur Kirche. Beim Fotografieren stellte ich fest, dass mein Handy nicht so wollte wie ich, aus irgendeinem Grund waren die meisten Fotos unscharf und unbrauchbar. Das einzige, was funktionierte, war das „Teleobjektiv“, deshalb sehen die Bilder alle so aus, als hätte ich sie aus der Ferne gemacht. – Zurück in Tübingen war ich im Handyladen, wo mir gesagt wurde, dass ein Teil der Linsen verschmutzt sei. Der nette Herr hat sie gereinigt und jetzt funktioniert alles wieder.
In Wilamowice war ich dann auch mit einem Problem konfrontiert, das ebenfalls schon Tradition hat. Und zwar habe ich nach einem Geldautomaten gesucht und keinen gefunden. Also fuhr ich schnell nach Kęty, der nächsten etwas größen Stadt (sie heißt auf Deutsch übrigens Liebenwerde, wurde aber offenbar schon sehr früh polonisiert), und habe dort Geld abgehoben. Zum wiederholten Mal habe ich überlegt, ob ich jetzt Kęty besichtigen soll (wo es ein paar Dinge zu sehen gibt), und habe mich zum wiederholten Mal dagegen entschieden. Österreichisch Schlesien war einfach verlockender.
Mein erstes und wichtigstes Ziel war das Dorf Třanovice (polnisch Trzanowice), wo ich vor vielen Jahren, etwa 1995, schon einmal war, und das mich deshalb interessierte, weil es die Heimat eines großen westslawischen Lutheraners ist, den ich hier Georgius Tranoscius nennen möchte. Er lebte von 1592 bis 1637 und hatte ein interessantes Leben. Er wurde in der Region geboren, auf die sein Familienname hinweist und die damals zum Herzogtum Teschen gehörte. Dieses Herzogtum gehörte damals zum Königreich Böhmen und sein Gebiet bis heute zum tschechischen Staat, wurde aber damals wie heute von Schlesiern bewohnt, die einen polnischen Dialekt sprachen. So hieß er wahrscheinlich Jerzy Trzanowski. Nach dem Studium in Wittenberg wurde er evangelischer Priester, zunächst in Böhmen und Mähren, ab 1627 in Oberungarn, der heutigen Slowakei. Dort wirkte er zuletzt in der Stadt Liptovský Mikuláš und gab auch ein Gesangbuch heraus, die „Cithara sanctorum“, das bis heute bedeutendste tschechische evangelische Gesangbuch. Die Slowaken betrachten ihn als einen der ihren und nennen ihn Juraj Tranovský, aber er schrieb auf Tschechisch und ist deshalb auch unter dem tschechischen Namen Jiří Třanovský bekannt. Und damit gehört er gleich drei westslawischen Völkern an – das muss man erst einmal schaffen!
Třanovice liegt wenige Kilometer südwestlich von Český Těšín und ist leicht zu erreichen. Zuerst fuhr ich auf der Autobahn von Bielsko-Biała nach Westen, überquerte dann in Cieszyn die Brücke über die Olsa (tschechisch Olše, polnisch Olza) und war bald in dem kleinen Ort, wo ich allerdings etwas länger nach den Sehenswürdigkeiten suchen musste. Im Zentrum gab es nämlich keine, und die evangelische Kirche mit dem Tranoscius-Denkmal stand auf einem Hügel, an dem ich vorbeigefahren war. Irgendwie sah alles ganz anders aus als 1995, denn ich kann mich nicht erinnern, dass es damals einen Hügel gegeben hätte.
Aber auf diesem Hügel steht die Kirche, davor eine Statue aus dem Jahr 1956, daneben ein Friedhof, an dessen Rand ein Museum steht. Das war natürlich geschlossen und es waren auch keine Menschen unterwegs. So konnte ich nur die zweisprachigen Tafeln bewundern, die es hier gibt. Heute bekennen sich noch etwa 20% der Bevölkerung zur polnischen Muttersprache.
Dann bin ich nach Teschen zurückgefahren, zuerst in den tschechischen Teil, der heute Český Těšín heißt. Das Herzogtum Teschen fiel nach dem Ersten Weltkrieg größtenteils an Polen, nur die Gebiete südlich der Olsa wurden von den Tschechen besetzt, weil sich dort der Bahnhof befand. Um den Bahnhof herum entstand eine neue Stadt, und die Polen mussten auf der anderen Seite des Flusses einen neuen Bahnhof bauen. Heute sind beide Städte gleich groß, aber die wichtigsten Denkmäler liegen auf der polnischen Seite. Seit 1990 kann man wieder einfach von einer Seite auf die andere gehen, nachdem man lange Zeit nicht rüber durfte.
Ich bin in der tschechischen und der polnischen Stadt herumgelaufen und habe ein paar Fotos gemacht. Ich habe keine Denkmäler oder das Schloss, wo ich vor einigen Jahren war, gründlicher besucht. Auf dem Rückweg zum Auto habe ich ein veganes Restaurant entdeckt, das leider schon geschlossen war. Ich wäre fast schon zurückgefahren, aber dann bin ich am städtischen Friedhof von Cieszyn vorbeigekommen und habe ihn mir angesehen. Ich habe keine tschechischen Gräber gefunden, aber ein paar deutsche aus der Zeit vor 1918.
Dann bin ich nach Bielany zurückgefahren, wo ich noch einen interessanten Abend hatte. Als ich im Restaurant des Hotels zu Abend aß, fiel mir auf, dass dort mehr Leute waren als sonst. Ich habe mir dabei nicht viel gedacht. Als ich mit dem Essen fertig war, sprach mich aber jemand an. Und sieh da, das war Frau Prof. Olko, Ethnologin von der Universität Warschau, die auch zum Muttersprachtag angereist war. Sie hat mich an ihren Tisch geführt, wo auch ein paar ihrer Mitarbeiterinnen saßen, die ich schon kannte, und ein paar Kaschuben, die am nächsten Tag dabei sein sollten. Ich habe dann erfahren, dass es am Vormittag eine wissenschaftliche Tagung geben sollte, zu der ich herzlich eingeladen wurde. Mehr dazu berichte ich in meinem nächsten Beitrag.
Am 20. Februar bin ich zu meiner ersten Reise in diesem Jahr aufgebrochen. Wie seit 2018 fast in jedem Jahr wollte ich den Muttersprachtag (Müterśpröhtag) in Wilamowice besuchen. Diese Veranstaltung ist gewissermaßen die lokale Variante des Internationalen Tags der Muttersprache, den die UNESCO 2000 ausgerufen hat und der jährlich am 21. Februar begangen wird. In Wilamowice (und sicher auch anderswo) findet die Feier immer an einem Samstag statt, um möglichst vielen Leuten die Teilnahme zu ermöglichen.
In diesem Jahr fiel die Feier auf den 22. Februar. Weil die Reise lang und nicht unbedingt bequem ist, bin ich aber zwei Tage vorher losgefahren, um mich einen Tag lang erholen zu können. Am 21. Februar habe ich einen Ausflug nach Mährisch-Schlesien gemacht, am 22. Februar war der Muttersprachtag, verbunden mit einer kleinen Tagung, und am 23. Februar ging es schon wieder zurück. Ich wäre zwar gerne noch ein bisschen in der Gegend geblieben, aber Verpflichtungen in Tübingen erzwangen die schnelle Rückreise. Ich werde allerdings am 1. März noch einmal nach Südpolen fahren, dann in die Grafschaft Glatz bzw. Kłodzko.
Dies war die Einleitung, von der Reise am 20. Februar selbst gibt es aber nichts zu berichten. Ich bin kurz vor 7 Uhr aufgebrochen und leider erst gegen 21 Uhr in Bielany eingetroffen, einem Ort in der Nähe von Wilamowice, wo ich wieder mal im Hotel Przystań nad Solą übernachtet habe. Dass die Reise so lange gedauert hat, lag an diversen Sperrungen und Staus, die mich teilweise zu größeren Umwegen veranlasst haben. Aber ich will nicht jammern, ich bin jedenfalls gut angekommen und bald ins Bett gegangen, wo ich dann wirklich sehr gut geschlafen habe.
Der letzte Beitrag zum diesjährigen Blog kommt mit einiger Verspätung, denn leider habe ich es nach der Rückkehr nach Tübingen nicht geschafft, alles zu Ende zu schreiben. Zu viele andere Dinge brachen über mich herein, ich war bei zwei Tagungen und ansonsten mit der Vorbereitung meines Ruhestands beschäftigt. Aber jetzt, fast einen Monat nach der Heimreise, will ich doch noch ein bisschen über die beiden letzten Tage schreiben, obwohl ich an ihnen fast nur noch im Auto gesessen bin.
Am Morgen des 29. Augusts bin ich von Sárospatak aufgebrochen, in Richtung Győr (deutsch Raab). Die Strecke ist ungefähr 370 km lang, so hoffte ich, abends auch noch etwas von Győr zu haben, wo ich noch nie gewesen bin. Vor der Abfahrt gab es noch eine kurze Aufregung, weil ein Pumpwagen der Stadtwerke von Sárospatak die Einfahrt versperrte und Arbeiter mit Schläuchen hantierten. Das Ganze war aber so schnell vorbei, dass ich gar nicht viel mitbekommen habe, eher die Gespräche nach der Aktion als die Aktion selbst.
Ich fuhr dann nach Westen, erst noch auf der Landstraße und ab Miskolc auf der Autobahn. Ich musste auch eine Autobahnvignette kaufen, was ich an einer Tankstelle bewerkstelligt habe. Die Dame, die mir die Vignette verkaufte, wirkte etwas unwirsch, und ganz am Schluss habe ich auch verstanden, warum. Offenbar bedienen die meisten Kunden den Automaten (wo man z.B. das Autokennzeichen eintippen muss) selbst, während ich wie selbstverständlich ausging, dass das jemand für mich macht. Beim nächsten Mal bin ich schlauer…
Auf der Autobahn bin ich zügig vorangekommen, erst als ich mich Budapest näherte, wurde die Fahrt verlangsamt. Mein Navigator hat mich nämlich durch die Stadt hindurch geführt, das war einerseits ein schönes Besichtigungserlebnis, andererseits aber mit vielen Halten an Ampeln. Ich fuhr jedenfalls durch die Innenstadt und dann über eine Donaubrücke nach Buda und Újbuda, und dann wieder weiter auf der Autobahn.
Gegen 16 Uhr bin ich in Győr angekommen und habe mein Hotelzimmer bezogen. Dann habe ich einen langen Spaziergang gemacht und bin an der „Kleinen Donau“ (auf Ungarisch heißt sie Mosoni Duna) in einem Restaurant auf einem Schiff gesessen. Abends war ich auch noch in der Altstadt von Győr, wo der Dom allerdings geschlossen war. In ihm war ich dann am folgenden Tag noch mal, bevor ich endgültig nach Tübingen aufgebrochen bin. Den Rest des Tages habe ich dann auf der Autobahn verbracht, erst in Österreich und dann in Deutschland. Kurz nach 20:30 war ich wieder zu Hause.