20. August 2026: Jászberény – Jászapáti – Jászdózsa

Der heutige Morgen begann mit einem gewissen Problem: Heute ist nämlich der ungarische Nationalfeiertag. Das war mir im Prinzip auch bekannt, aber ich hatte nicht bedacht, dass an diesem Tag fast alle Läden geschlossen sind. So bin ich heute Morgen (ich bin in einem Hotel, wo es kein Frühstück gibt) länger durch die Stadt gewandert und habe all die Supermärkte bewundert, an denen stand, dass sie von Montag bis Sonntag um 7 Uhr öffnen. Und dann klebte daneben ein Zettel, dass am 20. August geschlossen sei…

Ich habe aber doch noch einen geöffneten Supermarkt gefunden, an dem übrigens stand, dass man ihn erst betreten darf, wenn man über 25 ist. Für mich war das jetzt kein Problem, aber ich frage mich ein bisschen, was der Grund dafür ist. Es gab natürlich Spirituosen in dem Laden, aber die gibt es doch überall…

Am mittleren Vormittag bin ich dann in das Museum von Jászberény gegangen, das wichtigste Ziel meines Besuchs. Dort findet man viele Informationen und Ausstellungsstücke zur Geschichte der Region, vor allem aber das mittelalterliche „Horn des Lehel“. Dabei handelt es sich um einen sog. Olifanten, d.h., ein aus Elfenbein geschnitztes Horn. Mit ihm verbindet sich die Legende, dass der ungarische Heerführer Lehel nach der Schlacht auf dem Lechfeld gefangengenommen wurde und hingerichtet werden sollte. Da bat er den (deutschen) König, dass er noch einmal in sein Horn stoßen dürfte, und als das bejaht wurde, erschlug er den König mit dem Horn (und wurde daraufhin hingerichtet).

Die Geschichte kann nicht ganz stimmen, weil Otto der Große nach der Schlacht auf dem Lechfeld noch fröhlich weitergelebt hat. Und Lehel ist wohl auch außerhalb der Sage nicht belegt. Aber das Horn gibt es, und es hängt in Jászberény im Museum. Ich habe es gebührend bewundert!

Die Ausstellung über die Jassen war auch ziemlich informativ. Zum Glück war ein Teil der Tafeln auf Deutsch, das erleichtert die Orientierung schon ziemlich. Es gab viele Kleinfunde, aber auch Karten über die Ausbreitung der Jassen und eine Tafel über die Wortliste von 1422. Sehr gefallen hat mir die Überschrift „Vom religiösen Synkretismus zum Katholizismus“ an einem Schaukasten, nur passte der Schaukasten nicht zur Überschrift.

Auch über die neuere Geschichte der Jassen wurde man gut informiert. Sie waren immer recht kämpferisch, insbesondere als Kaiser Leopold I. ihr Gebiet 1702 dem Deutschen Orden verkaufte. Dagegen haben sie sich viele Jahre gewehrt und waren schließlich auch erfolgreich. Nicht so begeistert war ich von den Informationen über Kindersoldaten im Krieg von 1848/1849. Informiert wurde über vier von ihnen. Drei sind gefallen, der vierte ist uralt geworden und hat das Museum gegründet.

Nach dem Museumsbesuch bin ich in der Stadt herumgelaufen, habe ein alkoholfreies Bier getrunken und zu Mittag gegessen. Dann habe ich mich länger ausgeruht und habe abends noch einmal mit dem Auto die Umgebung erkundet. Da gibt es nämlich viele kleine Orte, deren Namen immer mit Jász- anfangen, das ist der Name des Komitats. Bei Jászberény ist das ja auch nicht anders.

Als Erstes bin ich nach Jászapáti gefahren, das liegt 17 km von hier entfernt. Dort gibt es eine schöne Kirche vom Ende des 18. Jahrhunderts, die sogar offen war und die ich deshalb gründlich besichtigen konnte. Sonst gab es dort noch ein paar Statuen, der Ort war aber wie ausgestorben. Vermutlich haben da der Nationalfeiertag und die Hitze zusammengewirkt.

Von Jászapáti bin ich nach Jászdózsa gefahren. Dort war die Kirche zwar geschlossen, aber es gab eine Mariengrotte mit Votivtafeln außerhalb der Kirche (so etwas habe ich noch nie gesehen), Statuen und eine Steinbrücke von 1803.

Dann bin ich nach Jászberény zurückgekehrt und habe dort das Franziskanerkloster besichtigt, leider nur von außen. Dieses Kloster war mir zunächst entgangen, es scheint aber ziemlich interessant zu sein. Gegründet wurde 1492, blühte zunächst auf, bevor es 1560 von den Lutheranern angezündet wurde. Dann kamen die Türken, die es zu einer Festung umbauten, und so ging es dann noch länger hin und her. Heute scheint dort kein Kloster mehr zu sein, aber ein von Klarissinnen betriebenes Altersheim.

Dies ist vermutlich der letzte längere Beitrag meines Blogs, denn ich fahre morgen zurück. Wenn ich unterwegs etwas erlebe, werde ich aber berichten.