An diesem Tag wollte ich wieder eine Wanderung machen, und zwar am besten auf die Burg Šariš. Ich hatte mir auch eine Alternative für den Fall ausgedacht, dass man zu dieser Burg mit dem Auto fahren kann, weil ich mir bei manchen Informationen im Internet nicht ganz sicher war. Aber die Befürchtungen waren nicht berechtigt: Auf die Burg muss man hinaufsteigen, so wie sich das eigentlich auch gehört.
Am Vormittag war ich wieder mal etwas später dran und bin nach 11 Uhr in dem Ort Veľký Šariš gewesen, der unter der Burg liegt. Unterwegs hatte ich schon ein Foto von dem Burgberg gemacht, der ziemlich imposant aussieht. Ich hatte auch leichte Befürchtungen, wie anstrengend der Weg wohl sein würde.
Dann hat es noch einige Zeit gedauert, bis ich den richtigen Parkplatz gefunden hatte – der Weg zu ihm war nicht gut beschildert. Außerdem wurde dort (wieder einmal) ein Archäopark angekündigt, und ich war mir unsicher, in welchem Verhältnis dieser zur Burg steht. Außerdem stand da, man müsse für das Parken bezahlen, aber es war niemand da, der kassierte. Und Automaten gab es auch keine.
Der Archäopark sah ein bisschen aus wie eine Ranch im Wilden Westen. Er war offen und auf einer Veranda saßen Leute, aber die waren genauso Gäste wie ich. Sie bestätigten mir wenigstens, dass hier der Weg zur Burg beginnt. Und den Park scheint es nicht mehr wirklich zu geben. Mir wurde außerdem gesagt, man brauche bei langsamem Gang anderthalb Stunden. Das fand ich sehr beruhigend.
Der Weg stieg nur langsam an und führte fast nur durch den Wald. Er war also sehr angenehm und ich bin schnell vorangekommen. Insgesamt habe ich 75 Minuten gebraucht, also weniger als angekündigt. Auf dem Weg war ich auch nicht allein, in beiden Richtungen waren kleine Gruppen unterwegs, meist Ehepaare mit Kindern, aber auch einzelne ältere Leute und größere Gruppen von Jugendlichen. Die Burg ist offenbar ein beliebtes Ausflugsziel, auch für Leute aus der direkten Umgebung.
Ungefähr nach einem Drittel des Wegs kam ich an einer Informationstafel vorbei und hörte, wie ein Mann seiner Familie den deutschen Text (die Tafeln sind nämlich vorbildlich viersprachig, Slowakisch, Englisch, Deutsch und Ungarisch) vorlas. Das hat mich so fasziniert, dass ich ihn ansprach. Er meinte dann, er hätte mal Deutsch gelernt und könne fast nichts mehr. Die Aussprache war allerdings ziemlich gut, sodass ich ihm das nicht geglaubt habe. Dann habe ich mich mit ihm und seiner Familie noch länger unterhalten. Er war mit Frau und drei Söhnen im Alter von 2, 4 und 6 Jahren unterwegs. Die beiden älteren waren ziemlich gesprächig (was in diesem Alter eher selten ist), und so haben wir uns hier und oben auf dem Berg, wo wir uns wieder begegnet sind, ausführlich unterhalten. Freilich hat vor allem er mich befragt. In dieser Gegend trifft man nicht so oft richtige Deutsche…
Weiter oben sah ich auch eine Tafel, die über den Jakobsweg informierte. Das hat mich doch ziemlich verwundert, weil ich nicht glaube, dass der Apostel Jakob hier vorbeigekommen ist. Aber wie schon auf dem Berg Zvir scheint das den Slowaken sehr wichtig zu sein, dass sie auch an dieser Tradition teilhaben.
Kurz nach 13 Uhr war ich oben, nach einem letzten etwas steileren Anstieg, und stand vor dem Burgtor. Dort muss man Eintritt bezahlen (2 €…) und kann dann alles anschauen. Und zu jeder vollen Stunde gibt es eine Führung durch den Bergfried. Die habe ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen.
Die Burg hat im Mittelalter eine große Rolle gespielt, weil sie das Tal der Torysa, durch das ein Handelsweg nach Norden führte, überwachte. Bewohnt war sie schon in prähistorischen Zeiten, dann wieder ab dem 13. Jahrhundert. Sie hat dann vielen Herren gehört, auch mal dem tschechischen Söldnerführer Jan Jiskra z Brandýsa. Die letzten Besitzer waren die Rákóczis, die dann nach mehrfachen Zerstörungen 1687 beschlossen, die Burg nicht mehr aufbauen zu lassen. Es sind aber viele Bastionen und Reste von Gebäuden erhalten.
Der Burgberg ist ein ehemaliger Vulkan, auf dem es keine Brunnen gibt. Das Wasser hat man sich deshalb aus Zisternen besorgt. Das war einer der Gründe dafür, dass die Burg nie eine Wohnburg war, sondern ein militärischer Posten. Aber zeitweise kamen ungarische Könige dorthin, um Urkunden zu unterschreiben.
Nach meiner Ankunft bin ich erst ein bisschen herumgelaufen und habe dann ein kühles Bier (natürlich der Marke Šariš) getrunken. Dann wartete ich bis zur Führung um 14 Uhr und bin tapfer auf den Bergfried gestiegen, obwohl ich solche Unternehmungen ja inzwischen eher vermeide. Aber wenn ich im Inneren eines Turms Treppen steige, wird mir nicht schwindelig (oder nicht so schnell schwindelig) wie auf Türmen, wo man überall nach unten schauen kann. Der Führer hat uns im Hauptraum des Bergfrieds etwas über die Geschichte erzählt, dann durften wir ins Lapidarium, wo es übrigens keine Lampen gibt. Uns wurde gesagt, wir sollten den Raum mit unseren Handys erleuchten. Und weil das alle außer mir gleich getan haben, musste ich mein Handy nicht einmal bemühen.
Am Schluss waren wir auf einer Aussichtsplattform, von der man wunderschön auf die Orte in der Nähe schauen kann, auch auf Sabinov. Nur die Tatra sieht man nicht, weil davor ein anderer Gebirgszug liegt.
Danach habe ich mich noch einmal mit der netten Familie unterhalten und bin dann zügig ins Tal gestiegen. Der Parkplatz war inzwischen brechend voll und es patrouillierte auch ein Herr, der ausschaute, als wolle er vielleicht kassieren. Aber er hat mich nicht angesprochen und auch ein Polizeiwagen, der gerade vorbeikam, war offenbar auf der Suche nach jemandem anderen. Mir musste dann zwar jemand beim Herausfahren helfen, bzw. es hat sich jemand aufgedrängt, vermutlich der Besitzer des Autos, das neben meinem stand, aber er hat das sehr nett und kompetent erledigt, sodass ich den Ort des Geschehens verlassen konnte, ohne andere Autos zu beschädigen. Gegen 16:30 war ich wieder im Hotel.

























