14. August 2026: Bardejov – Hervartov – Terňa

Den gestrigen Tag habe ich zum größeren Teil in Bardejov/Bartfeld verbracht, einer schönen alten Stadt, die allerdings ziemlich abgelegen ist. Das erste Mal war ich hier 1978 mit einer Exkursion der Karls-Universität und später noch zweimal. Ich erinnere mich aber auch an Reisen, auf denen ich „eigentlich“ nach Bardejov fahren wollte, das aber nicht getan habe, weil der Weg einfach zu weit war.

Mit dem Besuch einer Stadt, wo ich schon mehrfach war, gefährde ich wieder meinen Vorsatz, jeden Tag etwas zu besichtigen, wo ich noch nicht war. Den habe ich gestern nur noch mit Mühe eingehalten. Ich habe zwar auf der Fahrt von Sabinov nach Bardejov Ausschau gehalten, wo am Wegesrand auf weitere Sehenswürdigkeiten hingewiesen wird, und ich habe zwei notiert, zu denen ich später auch gefahren bin, nämlich Hervartov und Terňa. Aber so richtig erfolgreich waren beide Besuche nicht (s.u.).

Als ich gegen 11 Uhr in Bardejov angekommen war, stellte sich zunächst das Problem des Parkens. Das ist in Bardejov streng geregelt, und man kann die Stadt angesichts des noch mittelalterlichen Stadtkerns gut verstehen. So hätte ich mich gerne auf einen Parkplatz außerhalb des Zentrums gestellt. Allerdings musste man da eine SMS an eine slowakische Telefonnummer schicken (mit Autokennzeichen, Angabe des Orts und Verweildauer), aber das hat nicht geklappt (anscheinend gab es die Nummer, an die man schreiben sollte, nicht mehr). Dann bin ich länger in der Altstadt herumgefahren (sehr ökologisch…) und habe schließlich einen schönen Parkplatz bei der Franziskanerkirche gefunden (die übrigens nicht zugänglich war).

Dann ging ich zum Hauptplatz, in dessen Mitte das alte Rathaus steht (heute Museum), und zur St.-Ägidius-Kirche, die ich gleich besichtigt habe. Die Kirche hat eine prächtige Ausstattung mit Altären, und auch manches kleinere Ornament ist sehr schön. Etwas erstaunt war ich, dass es nur ganz wenige Epitaphe gibt. Und auch die Information über die Geschichte der Kirche war eher bescheiden. So stand nirgends, dass die Kirche mal evangelisch war, das muss sie aber gewesen sein, weil die ganze Stadt im 16. Jahrhundert eine Bastion der Lutheraner war. Hier wirkte u.a. Leonhard Stöckel, der Verfasser der Confessio Pentapolitana, die ich schon bei der Besprechung von Sabinov erwähnt habe.

Nachdem ich die Kirche verlassen hatte, entdeckte ich in ihrer Nähe am unteren Ende des Platzes eine weitere Kirche, das ist die evangelische Kirche, die um 1800 neu errichtet wurde. Die St.-Ägidius-Kirche hatten die Protestanten nämlich – wie ich später im Museum erfuhr – 1672 abgeben müssen. In die evangelische Kirche bin ich (wie sich das gehört) nicht hineingekommen, sie machte aber einen guten Eindruck, mit einer lateinischen Überschrift über dem Eingang. Neben der Kirche steht eine Holzstatue des Druckers David Gutgesel, der von 1572 bis zu seinem Tod 1599 in Bartfeld eine Druckerei betrieb, die lateinische, deutsche und griechische Bücher druckte, sowie ein slowakisches Buch, den Katechismus von Bardejov. Den werde ich mir nach der Rückkehr mal anschauen, insbesondere im Hinblick auf die Sprache…

Dann habe ich zu Mittag gegessen, in einem unterirdischen Restaurant mit Wandmalereien. Am Nebentisch saßen drei Herren und zwei Damen von der Stadtverwaltung (zu erkennen an weißen Hemden und langen Hosen sowie daran, dass fast nur der Chef redete), ich habe mich aber nicht getraut, sie anzusprechen.

Nach dem Mittagessen habe ich nach Synagogen gesucht, von denen es in Bardejov nämlich mehrere gibt. In der Stadt selbst steht eine Synagoge, die im 20. Jahrhundert erbaut und nur kurz in Betrieb war, ein wenig außerhalb gibt es das jüdische „Suburbium“, einen ganzen Gebäudekomplex. Bei meinem zweiten Besuch in Bardejov habe ich nach dem ganz lange gesucht, aber vergeblich, die Angaben im Reiseführer waren missverständlich. Beim letzten Mal bin ich mit dem Auto (und Navi) hingefahren, diesmal zu Fuß. Auf dem Hof des Geländes ist eine Gedenkstätte mit den Namen ermordeter Juden aus der Region, daneben eine Synagoge, die aber nicht zugänglich ist. Überraschend fand ich die Mitteilung, dass der Komplex aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammt, als ein Rabbi aus der Familie Halberstam mit seiner Familie hierher übersiedelte. Um diesen Rabbi und seine Nachfahren bildete sich eine eigene orthodoxe Kommunität, die dann fast ganz im Holocaust umgekommen ist.

Zum Abschluss bin ich in das Stadtmuseum gegangen, in dem ich wirklich noch nie war. Ich habe vage Erinnerungen, dass es bei früheren Besuchen geschlossen war und merkwürdige Öffnungszeiten hatte. Diesmal war alles ganz einfach. Und ich habe eine schöne Ausstellung zur Stadtgeschichte gesehen, mit vielen Dokumenten, alten Drucken, Gemälden und Epitaphen. Jetzt wurde mir auch klar, warum es in der Kirche keine Epitaphe gibt… Ob das aus Gründen der Konservierung geschieht oder zur Verschleierung der deutschen Vergangenheit, sei dahingestellt. Die deutsche Vergangenheit war jedenfalls erstaunlich präsent und dauerte offenbar auch länger, als ich bisher dachte (nämlich bis ins 19. Jahrhundert hinein). Dieses Themas müsste sich mal jemand annehmen… Ob ich das selbst schaffe, weiß ich nicht, ich hatte schon nach jedem früheren Besuch die gleiche Idee.

Wie in Sabinov und Chmeľnica wollte ich auch noch den Friedhof anschauen, der war aber eher enttäuschend. Es gibt zwar alte Gräber, aber die werden nicht gepflegt. Und so habe ich nur solche Beispiele gefunden (und fotografiert), auf denen man die Inschrift nicht mehr lesen kann.

Auf der Rückfahrt habe ich als erstes Hervartov besucht, wo laut Wegweiser eine Holzkirche sein sollte. Die habe ich auch schnell gefunden. Leider war es schon nach 17 Uhr, sodass die Kirche nicht mehr offen sein sollte. Aber wie in Binarowa öffnete sich die Türe und ein Herr kam heraus, der mich und ein italienisches Ehepaar nach innen bat. Weil die Italiener schneller waren, gab es dann vom Band eine lange Erläuterung auf Italienisch, die ich aber gut verstanden habe. So lehnte ich einen schriftlichen Kirchenführer ab und habe den armen Slowaken ziemlich erschreckt, der vermutlich noch nie jemanden getroffen hatte, der behauptet, er könne Italienisch.

Die Kirche ist älter als die in Binarowa und stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Geweiht ist sie Franz von Assisi, das fand ich erstaunlich (wurde der damals schon in Oberungarn verehrt?). Die Kirche ist ausgemalt, wobei die Malereien aus verschiedenen Zeiten stammen. Die Bilder im Chor sind wohl die ältesten, das Kirchenschiff wurde (horribile dictu) von den Lutheranern mit Pflanzenmotiven ausgemalt und erst später mit einer Legende bemalt. Leider konnte ich in der Kirche nicht fotografieren, so verweise ich auf den Artikel in der deutschen Wikipedia (auch wenn sich das nicht gehört).

In Terňa war es dann aber noch schlimmer als in Hervartov: Zwar wurde an der Straße für den Ort geworben, ich konnte dort aber keine Sehenswürdigkeit finden. Inzwischen weiß ich, dass es dort einen frühmittelalterlichen Burgwall gibt, der allerdings noch gar nicht ausgegraben ist. Aber es wird schon für ihn geworben!