Am Vormittag bin ich wieder nach Pszczyna gefahren, um nun wirklich das Schloss zu besuchen. Ich habe wieder auf demselben Parkplatz geparkt (und wieder mit dem Parkautomaten gekämpft), aber als ich zum Hauptplatz kam, erlebte ich eine große Überraschung. Der war nämlich abgesperrt, überall standen Soldaten mit entsprechendem Gerät, daneben Feuerwehr und diverse staatliche Organisationen. Ich habe mich nicht getraut, viel zu fotografieren, aber immerhin kann ich mit einem Bild des Stands von Frontex und vom Gefängnis in Cieszyn/Teschen dienen.
Lange bin ich aber nicht verweilt, sondern ging schnell ins Schloss und kaufte mir eine (verbilligte!) Eintrittskarte. Ich bat auch um einen Audioguide, weil ich mit denen gute Erfahrungen gemacht habe. Ich habe den polnischen genommen, obwohl es auch einen deutschen gab – das hat mich überrascht, aber beim Besuch des Schlosses wurde klar, warum.
Das Schloss in Pszczyna ist zwar ziemlich alt (belegt seit dem 12. Jahrhundert), aber es wurde umgebaut und der heutige Stand ist der von 1876, also aus den Zeiten des deutschen Kaiserreichs. Und die Ausstattung stammt vom Ende des 19. und vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals gehörte das Schloss Hans Heinrich XV. von Pleß und seiner Gattin Daisy (einer Engländerin), die beide zu den Spitzen der deutschen Aristokratie gehörten. Besonders gerne war Wilhelm II. zu Gast, und im Ersten Weltkrieg war von 1915 bis 1917 das deutsche Hauptquartier im Schloss.
Ausstellungen in einem Schloss mit einer solchen Vergangenheit kann man sicher verschieden gestalten. In Schloss Pleß hat man den Weg gewählt, schlicht zu beschreiben und alles Politische nur am Rande zu erwähnen. Der Höhepunkt war, dass im Besprechungszimmer mitgeteilt wurde, dass hier der U-Boot-Krieg beschlossen wurde, der zum Kriegseintritt der USA führte.
Ich bin relativ schnell durch das Schloss gegangen, habe mir aber nicht nehmen lassen, einiges zu fotografieren, z.B. das Bett von Wilhelm II. Aber ich war froh, als ich wieder draußen war… Als nächstes habe ich die große Kirche gegenüber vom Schloss besichtigt, das ist sinnigerweise die evangelische Kirche des Orts (die Anhalts, Hohenzollern etc. waren ja alle evangelisch). Die katholische Kirche ist in der Nähe, aber deutlich kleiner.
Dann bin ich nach Wilamowice gefahren, wo ich mich im Museum der Stadt mit Tymoteusz Król, dem wichtigsten Aktivisten für die Kultur und Sprache von Wilamowice, getroffen habe. Wir waren zusammen in der nach wie vor einzigen Gaststätte des Orts (Rogowa) essen und haben uns wie immer gut unterhalten. Dann gingen wir zurück zum Museum, wo einige Leute mit Fahnen standen, kurz darauf sollten nämlich Radfahrer der Tour de Pologne 2026 vorbeikommen. Wie ich erfuhr, liegt der Stadt sehr viel daran, Wilamowice auf diese Weise in der Welt bekannt zu machen. Wie viel die Rennfahrer, wenn sie vorbeirasen, wahrnehmen, sei dahingestellt.
Gegen 16 Uhr war ich wieder im Hotel, bin noch einmal in einen Ort der Umgebung einkaufen gefahren und habe abends noch einmal Bielany besichtigt. Zum ersten Mal war die Kirche geöffnet, und so kann ich ein Bild von ihr zeigen. Ich schließe mit einer kleinen Anekdote vom Abendessen im Restaurant: Da saß am Nebentisch eine ungarische Familie (Vater, Mutter, eine Tochter, zwei Söhne), die sich mit der Speisekarte ziemlich schwer tat (obwohl die auch auf Englisch vorlag). Aber zuletzt fanden sie doch eine Lösung des Problems: Es wurde einfach Gulasch bestellt!



















