8. August 2026: Tyniec – Jasło

Am 8. August bin ich von Bielany nach Jasło gefahren, einer Stadt im Karpatenvorland, wo ich die nächsten Tage verbringen will. Nun wird sich manche und mancher fragen, warum ich denn gerade nach Jasło gefahren bin, aber das hat mehrere Gründe.

Den Namen der Stadt Jasło kenne ich schon sehr lange, aus der Autobiografie des jüdischen Mathematikers Hugo Steinhaus, der von hier stammte. Er hat den Holocaust versteckt überlebt, und wenn ich mich nicht täusche, auch teilweise hier in der Gegend. 2015 wollte ich den Ort besuchen, habe das dann aber doch nicht getan. Und jetzt bin ich endlich so weit. Ein kleines Problem besteht allerdings darin, dass es hier fast nichts zu sehen gibt… Dazu später mehr.

Von Bielany bis Jasło fährt man ungefähr drei Stunden, also bot es sich an, unterwegs etwas zu besichtigen. Und so habe ich beschlossen, die Benediktinerabtei Tyniec südlich von Krakau besichtigen, die ich schon mehrfach gesehen, aber nie besucht habe. Gesehen habe ich sie deshalb, weil man sie bei Schifffahrten auf der Weichsel gut sieht. Aber von der Stadt aus kommt man nicht so gut zu ihr, und deshalb habe ich das noch nie getan.

Mit dem Auto fuhr ich auf kleinen Straßen Richtung Krakau, vorbei an Wadowice und Zator. Wadowice ist die Heimat von Johannes Paul II., da war ich schon mehrfach, Zator würde mich im Prinzip schon reizen, aber ich bin trotzdem nicht abgebogen. Und irgendwann kurz vor 12 Uhr war ich in Tyniec.

Der Weg zur Abtei und von ihr zur Weichsel war vollgeparkt, aber etwas weiter oben habe ich am Friedhof einen Parkplatz gefunden. Ich ging zu Fuß zur Abtei und erkundigte mich nach einer Führung. Und ich hatte das große Glück, dass die nächste Führung um 12 Uhr begann.

Ich schloss mich also einer Gruppe an, die ein netter Herr namens Borys leitete. Als erstes fragte er, woher wir denn kämen – fast alle Besucher_innen waren aus Krakau und Umgebung, eine Dame aus Masuren. Und ich habe lieber geschwiegen, ich wollte die armen Leute ja nicht verwirren.

Die Führung war gut, wenn auch ein bisschen volkstümlich, mit Anekdoten und Anspielungen auf die klassische polnische Literatur. Und manchmal reichte auch mein Polnisch nicht aus.

Zunächst wurden wir in die Geschichte der Abtei eingeführt, und die ist schon ein bisschen speziell. Sie soll die älteste Abtei Polens sein, 1044 gegründet, die Jahreszahl steht aber nur in einer unzuverlässigen Quelle. Dafür ist die Kirche aber wirklich aus dem 11. Jahrhundert. Das Kloster wurde aber öfter belagert und beschädigt, z.B. im 15. Jahrhundert von den Tschechen, und 1772 wurde sie von den Russen unter Suworow weitgehend zerstört. Dann kamen die Österreicher, die das Kloster 1816 schlossen. Und dann war es lange unbewohnt und faktisch eine Ruine. Als Polen unabhängig geworden war, gab es Pläne, das Kloster wieder zu eröffnen, und das geschah auch, sinnigerweise im Juli 1939… Der Wiederaufbau begann erst nach dem Krieg, dauerte ziemlich lange und ist immer noch nicht ganz abgeschlossen.

Dann besichtigten wir einige Räume im Kloster, u.a. das Skriptorium, wo Borys viel über das heutige Kloster erzählte, in dem über 20 Mönche wohnen. Und es gibt auch immer wieder Novizen. Ziemlich lustig fand ich, dass explizit erwähnt wurde, dass man als Mönch das Handy nur tagsüber verwenden darf und als Novize ein ganzes Jahr lang nicht. Ich muss mal in der Regula Sancti Benedicti nachschauen, was da festgelegt wurde…

In der Krypta erzählte uns der Führer, was man alles bei Grabungen gefunden hat, etwa einen Sarkophag, den man Bolesław dem Kühnen (1042–1081) zuschrieb, dessen Grab bisher unbekannt ist. Diese Theorie hat sich aber nicht bewahrheitet. Dafür sind die Gräber der beiden ersten Äbte eindeutig identifiziert.

Zuletzt führte uns Borys in die Kirche und verschwand, wahrscheinlich darf man dort keine Führung machen. Die Kirche ist schön, aber offenkundig neueren Datums (trotz romanischer Fundamente und einiger gotischer Elemente).

Nach der Besichtigung ging ich zur Weichsel hinunter und habe in einem Imbiss etwas gegessen, mit Blick auf Kloster und Fluss. Und dann bin ich in Richtung Jasło weitergefahren, wo ich gegen 16:30 eintraf.

Nach einer kleinen Ruhepause habe ich Jasło besichtigt und festgestellt, dass es wirklich fast nichts zu sehen gibt. Die Stadt ist zwar alt (gegründet 1364) und spielte auch schon im Mittelalter eine Rolle. Durch Stadtbrände wurde sie aber mehrfach zerstört (z.B. 1826), und 1944 verwüsteten die abrückenden deutschen Truppen sie gründlich. Außer dem Rathaus und einigen Kirchen gibt es heute keine Sehenswürdigkeiten mehr.

Nach meinem Spaziergang habe ich im Hotel gegessen und bin bald ins Bett gegangen.