10. August: Haczów – Sanok

Für den 10. August hatte ich es mir vorgenommen, vor allem die Stadt Sanok zu besuchen, in die ich es 2015 nicht mehr geschafft habe. Sie liegt ziemlich weit östlich, im Dreiländereck Polen – Slowakei – Ukraine, und sie hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Auf dem Weg nach Sanok habe ich in Haczów haltgemacht, wo ich schon einmal war – dort steht die größte Holzkirche Polens, erbaut um 1500. Ich fand sie damals sehr eindrucksvoll und hätte gerne eine Führung mitgemacht. Aber außer mir war damals niemand da. Die Kirche war offen und begehbar, und man konnte auch Postkarten kaufen, an einem Stand, aber alles ohne Menschen. Ich hätte mich aber gerne mit jemandem unterhalten, z.B. über die deutsche Vergangenheit des Dorfs. Es wurde nämlich von deutschen Siedlern gegründet und hieß ursprünglich Hanshof, wurde dann aber im 17. Jahrhundert polonisiert.

Gestern habe ich die Kirche erstmal übersehen, sie steht nämlich hinter einer neuen Kirche, die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurde. Ich musste aber nicht lange suchen. Die Kirche war wieder offen und es stand wieder niemand für eine Führung bereit, aber es waren Handwerker in der Kirche, die auf einem Gestell stehend die Wandgemälde restaurierten. Die habe ich nicht angesprochen, weil ich befürchtete, dann aus der Kirche gejagt zu werden. Ich habe still die Kirche angeschaut und zuletzt auch ein Buch über alle Priester von Haczów von Anbeginn bis heute gekauft. Die deutsche Besiedlung wird dort kurz erwähnt, aber mit dem Vermerk, dass selbstverständlich immer auch Polen hier gewohnt hätten.

Nach Haczów hätte ich Krosno besuchen können, eine relativ große und historisch bedeutende Stadt. Allerdings habe ich sie 2015 schon recht gründlich besichtigt, und mein damaliger Bericht zeigt, dass sie mir nicht besonders gefallen hat. Also habe ich dieses Mal darauf verzichtet.

Stattdessen bin ich in Richtung Sanok gefahren und dort kurz vor 12 Uhr angekommen. Die Stadt liegt auf einem Hügel hoch über dem Fluss San, und ich fand zum Glück einen Parkplatz im Tal, von wo man einfach nur über Treppen hinauflaufen musste. Als erstes wandte ich mich nach links und kam zum Hauptplatz, wo mir vor allem das Franziskanerkloster auffiel. Es hat eine Beziehung zu Kardinal Wyszyński, der von 1953 bis 1956 in der Nähe interniert war (aber offenbar nicht im Kloster selbst). Dann wollte ich etwas trinken und wurde von einem netten Franziskaner am Straßenrand in einen Teeladen gelockt, wo ich guten grünen Tee genossen habe.

Danach bin ich zunächst zu dem wirklich beeindruckenden Schloss gegangen, das aber leider geschlossen war. Das bedauere ich sehr, denn das Museum im Schloss scheint sehr interessant zu sein. Außerdem wurde vor dem Schloss auf Plakaten für eine Sonderausstellung mit Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg geworben, die in den letzten Jahren aufgetaucht sind und einen guten Eindruck von der Kriegszeit vermitteln (das entnehme ich den Beispielen auf den Plakaten).

Danach bin ich in der Stadt herumgelaufen, war in der orthodoxen Kirche und in der Stadtkirche. Gegenüber von der orthodoxen Kirche gab es auch Werbung für eine Pfingstkirche, die aber so allgemein gehalten war, dass ich erst durch Googeln der Abkürzung EWZ herausfinden konnte, um wen es sich handelt. Die Abkürzung steht für Ewangeliczna Wspólnota Zielonoświątkowa, d.h. „Evangelische Pfingstgemeinde“.

Ein tschechischer Bekannter kommentierte Fotos von mir auf Facebook und wies darauf hin, dass auch der brave Soldat Schwejk in Sanok geweilt hat. Prompt habe ich dann auch eine Statue von ihm gefunden und eine Spielhalle, die seinen Namen trägt.

Letztlich bin ich aber nicht sehr lange geblieben. Es war sehr heiß und es machte keinen Spaß herumzulaufen. So bin ich dann bald zurückgefahren.

Abends war ich noch in Jasło essen (diesmal zur Abwechslung vietnamesisch) und bin bald danach ins Bett gegangen.