Am 12. August habe ich Polen verlassen und bin in das nächste Land gefahren, in die Slowakei. Hier hatte ich auch schon ein Hotel reserviert, in der Stadt Sabinov, von der ich offengestanden noch nie gehört hatte. Ich habe sie „entdeckt“, als ich schaute, was es in der Gegend von Bardejov/Bartfeld so alles gibt. Bardejov kenne ich schon lange und war mehrfach dort, das schied als Ziel also aus.
Und Sabinov ist wirklich interessant, eine alte Stadt, die auch mal mehrheitlich deutsch besiedelt war (damals hieß sie Zeben), die dann in der Reformation eine Rolle gespielt hat (Zeben war eine der Städte, die die Confessio Pentapolitana von 1549 unterzeichnet hat) und die dann allmählich slowakisiert und rekatholisiert wurde. Protestanten gibt es aber immer noch, aber dazu später.
Von Jasło nach Sabinov sind zwar nur 120 km, aber ich wollte nicht durchfahren, sondern unterwegs noch etwas anschauen. So entschloss ich mich, zunächst nach Krynica-Zdrój zu fahren, in einen Kurort kurz vor der slowakischen Grenze. Die Strecke verlängerte sich dadurch ein bisschen, aber nur unwesentlich. Ich fuhr auf leeren Straßen durchs Gebirge, eine sehr angenehme Fahrt, aber als ich dann in Krynica-Zdrój ankam, bin ich ziemlich erschrocken. Die Stadt war voll von Menschen, es gab viele Autos auf den Straßen – und keine Parkplätze. Letztlich konnte ich mich nicht entscheiden, hier Halt zu machen. Ich bin nicht einmal aus dem Auto ausgestiegen, habe am Stadtrand getankt und bin dann weiter in Richtung Slowakei gefahren.
Der Grenzübertritt war sehr angenehm, so wie es sich zwischen anständigen Schengen-Staaten gehört. Es gab keine Kontrolle, ja ich habe nicht einmal Grenz- oder Zollbeamte gesehen. Und ich war bald auf einer slowakischen Landstraße, die zunächst in die Stadt Lipany führte.
Kurz vor Lipany sah ich eine Raststätte und bin dort hingefahren, um etwas zu essen und zu trinken. Das stieß allerdings auf Schwierigkeiten, denn auf der Speisekarte gab es nur Hauptspeisen mit Fleisch… So habe ich eine Kartoffelsuppe gegessen (die übrigens sehr gut war) und ein alkoholfreies Bier getrunken. Und alles zusammen kostete 2,50 €!
Lipany hielt aber auch noch weitere Enttäuschungen für mich bereit. Schon am Ortseingang hatte ich nämlich den Hinweis auf einen „Archäopark“ gesehen, und den wollte ich mir nicht entgehen lassen. Mit einer gewissen Mühe habe ich das Gelände gefunden, habe geparkt und mich auf die Suche nach dem Eingang gemacht. Nur war der Park leider wegen Renovierung geschlossen. Ich wollte mich dann wenigstens informieren, was es dort zu sehen gibt, und habe dann staunend auf einem Plakat gelesen, dass ein „archeopark“ im Gegensatz zum „archeoskanzen“ sich nicht an einer realen Fundstelle befindet, sondern künstlich errichtet ist. „Aber alle Objekte und Realien gehen von wirklichen Funden aus.“ Da war ich dann ganz froh, dass der Park geschlossen war.
Dann bin ich wirklich zügig weitergefahren und war kurz nach 14 Uhr in Sabinov. Die Stadt liegt auf beiden Seiten einer Straße, z.T. noch innerhalb der historischen Stadtmauern. Und es stehen auch noch 11 von 15 Türmen, das ist wirklich beachtlich.
Sabinov ist 1248 das erste Mal erwähnt und wurde 1405 zur Königlichen Freistadt erhoben. Es folgte eine Blütezeit, in der die Stadt mehrheitlich von Deutschen bewohnt war. Sie war auch ein wichtiges Zentrum der Reformation und unterzeichnete 1549 die „Confessio Pentapolitana“, das gemeinsame Bekenntnis der oberungarischen Protestanten. Diese wurde dann aber in der Gegenreformation verfolgt und mussten ihre Kirchen den Katholiken übergeben. Erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts durften sie wieder eine Kirche bauen – und bauten gleich zwei, eine größere für die Deutschen und eine kleinere für die Slowaken.
Nach diesen Kirchen habe ich länger gesucht und dabei z.B. auch eine orthodoxe Kirche gefunden. Die evangelischen Kirchen befanden sich aber am Ausgangspunkt meiner Tour, gegenüber vom Hotel. Beide waren natürlich geschlossen, die kleinere wird gerade renoviert. Aber in der anderen findet Gottesdienst statt und ich werde sie am Sonntag besuchen.
Ansonsten ist noch zu vermelden, dass in Sabinov der erste tschechoslowakische Film gedreht wurde, der den Oscar erhalten hat, und zwar 1966. Es war der Film Obchod na korze („Das Geschäft in der Hauptstraße“), eine traurige Geschichte aus der Zeit des Holocaust. Leider ist der Film nicht sehr bekannt, weil er schon wenige Jahre, nach der Emigration des Regisseurs, verboten wurde.
Abends habe ich noch die Sonnenfinsternis genossen, die hier allerdings bescheiden ausgefallen ist. Die Sonne war schon hinter einem Hügel verschwunden, trotzdem gibt mein Foto einen gewissen Eindruck von der Stimmung.











