25. August 2012: Szentgotthárd – Rückfahrt

Von der Rückfahrt als solcher gibt es nur wenig zu berichten, aber am Morgen habe ich doch noch kurz die Umgebung von Szentgotthárd besichtigt. Dabei gibt es etwas zu berichten, was ich gestern vergessen hatte: Die Begegnung mit der Stadt Szentgotthárd hat nämlich ein Rätsel gelöst, das mich vor einigen Jahren ziemlich beschäftigt hat. Bei einer Besichtigung des ostböhmischen Schlosses Kuks (bzw. genauer gesagt, des Hospitals, das Schloss selbst ist nicht mehr da) wurde in einem der ersten Räume die Familiengeschichte des Erbauers, des berühmten Reichsgrafen Franz Anton von Sporck erzählt. Dessen Vater Johann von Sporck, der aus einer westfälischen Bauernfamilie stammte, hatte sich nämlich 1664 in der „Schlacht bei St. Gotthard“ ausgezeichnet und war nach dieser zum Reichsgrafen ernannt worden, mit einem Türkenkopf im Wappen. Ich habe damals gerätselt, ob die Türken wirklich zum St.-Gotthard-Pass aufgestiegen sind, nur um dann dort geschlagen zu werden, und erst bei der Planung für die diesjährige Reise habe ich dann festgestellt, dass es um die gleichnamige Stadt an der Raab geht. Die Schlacht kann man übrigens auch Schlacht bei Mogersdorf nennen, das ist weniger irreführend, aber bei weitem nicht so schön.


Offengestanden hat mir die Energie gefehlt, noch das Zisterzienser-Kloster von Szentgotthárd zu besuchen – ich war nicht einmal in der Kirche. Aber die slowenische Minderheit wollte ich nun doch kennenlernen, und so machte ich mich auf den Weg nach Felsőszölnök/ Oberzemming/Gornji Senik, wo noch besonders viele Slowenen leben sollen. Auf dem Weg fuhr ich durch zwei Orte mit wunderschönen Namen, nämlich Rábatótfalu/ Windischdorf/Slovenská Ves, das noch zu Szentgotthárd gehört, und Alsószölnök/Unterzemming/Dolnji Senik. An Rábatótfalu kann man schön studieren, wie schlicht ungarische Ortsnamen oft aufgebaut sind – als Komposita. Rába steht für den Bezirk, tót heißt ‘wendisch’ (und kann sowohl Slowaken wie auch Slowenen bezeichnen) und falu heißt ‘Dorf’.

In Alsószölnök/Unterzemming/Dolnji Senik haben mich die dreisprachigen Schilder im Ort fasziniert, dieses Dorf war wohl ursprünglich gemischt slowenisch und deutsch. Auf einer Internetseite, die ich (nach der Rückkehr nach Tübingen) gefunden habe, kann man gar erstaunliche Dinge über die Etymologie des Ortsnamens nachlesen. Eine sprachwissenschaftliche Ausbildung hat die Autorin mit Sicherheit nicht, es ist aber eher anzunehmen, dass sie ihre Weisheiten aus älteren Quellen bezieht, die es mit den Regeln der Etymologie nicht so genau nehmen…

Felsőszölnök/ Oberzemming/Gornji Senik selbst erwies sich als ziemlich verschlafenes Dorf, ohne zweisprachige Schilder, von dreisprachigen ganz zu schweigen. Trotzdem habe ich durch einen Besuch auf dem Friedhof einiges Interessante über die Sprache der Gegend erfahren. Im Rahmen des Hauptseminars über slavische Mikroliteratursprachen, das ich im letzten Semester zusammen mit Daniel Bunčić veranstaltet habe, haben wir uns nämlich auch ein bisschen mit dem Prekmurischen beschäftigt, der Schriftsprache der evangelischen Slowenen im Prekmurje, das bis 1919 zu Ungarn gehörte und das diese in ungarischer Orthographie schrieben. Nach dem Anschluss an Jugoslawien gingen sie allmählich zur slowenischen Standardsprache über, und nur die in Ungarn verbliebenen Slowenen pflegten eine Variante weiter, die man als „Porabisch“ bezeichnen kann. Daniel Bunčić hat sich so in sie eingearbeitet, dass er fast auch seinen Habilitationsvortrag über sie gehalten hätte, und so wollte ich doch klären, ob man die alte Rechtschreibung noch findet. Ich konnte nun feststellen, dass es nur wenige ältere Gräber mit der porabischen bzw. prekmurischen Schreibung gibt. Die meisten Gräber tragen ungarische Aufschriften, einige wenige solche in modernem Standardslowenisch. Dieses wird auch in den sonstigen wenigen slowenischen Aufschriften verwenden.

Um 10 Uhr bin ich von Szentgotthárd aufgebrochen und über Graz und Salzburg nach Tübingen zurückgefahren. Eine Beschreibung der Fahrt will ich mir sparen und verrate nur so viel: Von Szentgotthárd nach Ulm habe ich ungefähr acht Stunden gebraucht, von Ulm nach Tübingen etwa vier… Aber jetzt bin ich wieder zu Hause und sitze vor einem Berg Arbeit, den ich zwar nach Ungarn mitgenommen, dort aber nicht erledigt habe.

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