12. August 2018: Letzter Tag in Orava und Abschluss

Am Sonntagmorgen haben wir früh gefrühstückt und sind zur letzten wichtigen Sehenswürdigkeit aufgebrochen, dem Bauernhausmuseum (bzw. wie man hier sagt, Skansen) der Region Orava. Das Museum des Dorfs von Orava (Múzeum oravskej dediny) liegt etwas abgelegen, nicht weit von der polnischen Grenze, neben einer Kalksteinhöhle (Brestovská jaskyňa), die wir aber links (bzw. genauer gesagt, rechts) liegen gelassen haben. Das Museum, das zu den älteren Bauernhausmuseen gehört (eingerichtet 1967), besteht aus fünf Teilen – drei repräsentieren typische Dörfer der Region (untere Orava, obere Orava, Goralensiedlungen), im vierten befindet sich eine Kirche samt Leichenkammer, im fünften eine Mühle. Die Häuser repräsentieren verschiedene soziale Schichten, also Häuser von armen und von reicheren Leuten (die gab es durchaus auch), von Bauern und von Handwerkern, und es ist auch ein Amtsgebäude dabei. Die Erklärungen sind knapp, aber informativ, und man braucht keine Führung (die hätte ich ohnehin am letzten Tag nicht mehr ertragen). Sehr schön war die Kirche, ganz aus Holz und angeblich vom Anfang des 15. Jahrhunderts, daneben die Leichenkammer mit einem Sarg. Zu dem muss ich freilich anmerken, dass eine Kollegin das von mir auf Facebook gepostete Bild so kommentierte, dass es hier sicher nicht um einen Sarg gehe (aber um was dann?).

Dann sind wir nach Tvrdošín zurückgefahren und haben endlich auch das besichtigt, was es dort zu besichtigen gibt, nämlich eine Holzkirche aus dem 15. Jahrhundert und eine Galerie. Gegen die Galerie habe ich mich erst gewehrt, weil mein Bedarf an slovakischer Gegenwartskunst schon lange gedeckt ist. Aber die Galerie ist nach der slovakischen Malerin Mária Medvecká (1914–1987) benannt, die im Stil des „slovakischen realistischen Impressionismus“ gemalt hat, von dem ich noch nie gehört hatte, der sich aber laut Führerin deutlich vom sozialistischen Realismus unterscheidet… Und die Bilder haben mir letztlich ganz gut gefallen, wenn man davon absieht, dass Medvecká eigentlich nur alte Frauen, Kinder und Natur gemalt hat. Übrigens stammt von ihr auch das Bild zweier Mädchen, das bis 1989 die tschechoslovakischen 10-Kronen-Scheine zierte. Die Skizzen zu der Banknote werden, wie die Führerin mit zitternder Stimme ergänzte, immer noch von der Tschechischen Nationalbank aufbewahrt, die sie nicht zurückgeben will…

Den Abschluss bildete die Holzkirche von Tvrdošín, die ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammt, allerdings eher aus der zweiten Hälfte, und trotzdem zu UNESCO-Welterbe zählt (was mich an der Datierung der Kirche im Bauernhausmuseum zweifeln lässt). Die allen Heiligen geweihte Kirche steht auf einem Hügel über Tvrdošín und schaut schon von außen sehr schön aus. Innen ist sie reicht verziert, sowohl durch einen Altar (der aber aus einer anderen Kirche stammt, der Originalaltar wurde nach Budapest entführt) als auch durch figürliche und nicht figürliche Wandmalereien. Insgesamt ein sehr schönes Erlebnis!

Kurz vor der Abfahrt aus Brünn

Von der Kirche sind wir noch einmal zu Márians Schwester gefahren, wo wir mit ihr und ihrem Mann ein Sonntagsessen bekamen. Danach brachte ich Marián zu seiner Wohnung in Trstená und fuhr selbst nach Brünn, wo ich am nächsten Morgen dasLeihauto abgegeben und mich per Zug auf den Weg nach Tübingen gemacht habe. Der Blog endet also hier, wird aber vielleicht in diesem Sommer noch einmal geöffnet und weitergeführt.

3 Kommentare

  1. Ein schönes Museum. Ich kenne es auch, weil ich in den letzten Jahren zweimal in Zuberec in Urlaub war und von dort aus liegt es auch schlicht auf dem Weg in die Berge.

  2. Mich freut es auch, dass Du zu guter Letzt noch im Freilichtmuseum Orava in Zuberec warst. Ich halte es ebenfalls für äußerst sehenswert. Die Zeitangaben stimmen meines Erachtens durchaus, der UNESCO-Weltkulturerbetitel ist da sicher kein Maßstab, einige der ältesten und schönsten Kirchen sind nicht Weltkulturerbe (die Eintragung hat zwar einerseits Vor-, aber gleichzeitig auch Nachteile, außerdem ist der Vorgang der Festlegung des Denkmalwerts und der Aufnahme in die Liste kompliziert und oft auch bestimmten Interessen der nominierenden Staaten unterworfen). Schön, dass der Blog weitergehen wird, darauf freue ich mich schon.

  3. Schon klar, dass die Anerkennung als Weltkulturerbe Zufälligkeiten unterworfen ist. Im konkreten Fall war schon auffällig, wie wenig Konkretes im Museum über die dortige Holzkirche gesagt wurde, und wie viel mehr in Tvrdošín. Was andererseits auch daran liegen könnte, dass Tvrdošín mit langer Tradition ist, während man über die ins Museum verfrachtete Dorfkirche vermutlich wirklich nicht so viel weiß.

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