14. August: Tőketerebesről Fülekre (Von Tőketerebes nach Fülek)

Ich hatte schon gestern angedeutet, dass Trebišov / Tőketerebes / Trebischau nicht unbedingt die Stadt meiner Träume ist. Der Eindruck, den ich von der Stadt gewonnen hatte, setzte sich dann im Hotel fort, dem einzigen Hotel der Stadt. Die Damen an der Rezeption waren sehr nett und hilfsbereit, aber das war eigentlich schon alles. Das Hotel ist ansonsten ganz im sozialistischen Stil gehalten, und dazu passte dann auch, dass der Aufzug nur bis in den dritten Stock fährt und man zu Zimmern im vierten Stock eine Treppe hinaufgehen muss (was mit Gepäck nicht unbedingt angenehm ist). Die Mitteilung hierüber war zwar dreisprachig, aber ich war doch beeindruckt, dass ich mit meinem wenigen Ungarischen gleich einen, wenn nicht zwei Fehler gefunden habe (statt harmadig müsste es harmadik heißen, und die Form emeletől finde ich auch komisch, ich würde emeletről erwarten). Und das WLAN war auch miserabel (deswegen kam der Blog gestern auch erst nachmittags).

Beim Frühstück konnte man zwischen vier Menüs wählen, drei davon mit Fleisch (am besten fand ich ja die Hähnchenleber auf Zwiebelchen). Ich bestellte die Käseplatte, die dann aber auch zur Hälfte aus Schinken bestand (vielleicht meint man ja in der Ostslowakei, Schinken sei eine Art Käse). Bei den Teebeuteln konnte man laut Aufschrift zwischen Schwarztee, Grüntee und Früchtetee wählen, es war aber nur noch Früchtetee da – eine Erinnerung an alte Zeiten (1993 gab es schon ab Trnava nur noch Früchtetee…). Ja, und auch das Publikum war interessant. So nahmen am Nebentisch ca. 20 russische Jugendliche in Sportkleidung Platz – was die wohl in Trebišov tun? Jedenfalls bekamen sie keine Frühstücksmenüs, sondern Müsli (das hätte ich gerne genommen, wenn es mir angeboten worden wäre).

Nach dem Frühstück habe ich mich auf die Suche nach der evangelischen Kirche gemacht und diese auch schnell gefunden, in einem Neubaugebiet. Der Gottesdienst begann erst um 10 Uhr (ich war natürlich um 9 Uhr da), so habe ich noch ein bisschen Blog geschrieben und gelesen und bin dann in den Gottesdienst gegangen. Es handelte sich um eine evangelische Gemeinde Augsburger Bekenntnisses, d.h. um harte Lutheraner, der Gottesdienst war schön und hielt sich im üblichen Rahmen, wenn man davon absieht, dass fast die ganze Liturgie gesungen wurde und man ständig aufstehen (und sich setzen) sollte.

Und dann musste ich mich entscheiden, wohin ich fahre. Ich wollte gerne in ein Gebiet mit ungarischer Minderheit, wollte aber nicht da bleiben, wo ich gerade war. Die Gegend von Trebišov ist, ähnlich wie die gesamte Gegend südlich von Košice, heute ziemlich slowakisiert, was man z.B. daran sieht, dass es keine zweisprachigen Ortstafeln gibt. Und bei der Wahl zwischen der Fahrt nach Osten und nach Westen habe ich mich dann aus pragmatischen Gründen für den Westen entschieden. Ich habe ja gar nicht mehr so viel Zeit und möchte vor allem auch noch ein paar Tage in Pardubice verbringen, also ist es besser, schon in Richtung Deutschland zu fahren – aber ganz langsam.

Ich fuhr also auf der Schnellstraße E571 nach Westen, mit der Absicht, unterwegs ein paar Dinge anzuschauen. Als erstes bin ich in Nižná Myšľa abgebogen, wo laut Schildern an der Straße archäologische Funde zu besichtigen sind. Die Ausgrabungsstätte habe ich schnell gefunden, sie war menschenleer. Es gab auch keine Kasse, nur Schilder, die über die Ausgrabungen informieren und die Ankündigung enthalten, dass es in Zukunft einen archäologischen Park namens „Myssle‟ geben werde. Zu sehen waren nur Fundamente, und etwas weiter weg wurde auch gegraben, aber das Wenige auf den Schildern war schon interessant genug. So hat man einen bronzezeitlichen Friedhof mit 800 Gräbern gefunden, wobei Männer und Frauen getrennt begraben wurden, und angeblich auch Spuren von Menschenopfer (die grauslichen Details erspare ich mir).

Dann ging es weiter nach Westen, bald fingen dann auch die zweisprachigen Ortstafeln an. Nach dem Mittagessen in einem Restaurant an der Schnellstraße habe ich in Rožňava / Rozsnyó / Rosenau ein bisschen eingekauft, im Tesco, der auch am Sonntag offen hat und die Kunden auch auf Ungarisch begrüßt. Von dort fuhr ich ein Stück zurück, um wenigstens eine der Sehenswürdigkeiten der Gegend anzuschauen. Ich wollte nicht noch einmal auf die Burg Krásna Hôrka / Krasznahorka, wo ich schon zweimal war und die ich zweimal sehr hässlich fand (völlig überladener Historismus), aber zumindest das Mausoleum des letzten Besitzers, des Grafen Dionys Andrássy (gestorben 1913), habe ich besucht. Er war mit einer Opernsängerin verheiratet, wegen der er auch zeitweise enterbt war, und hat für sie 1902 ein prächtiges Mausoleum im Jugendstil errichten lassen, einschließlich byzantinischer Fresken. Leider darf man drinnen nicht fotografieren und Postkarten gab es nur vom Altar und vom Sarkophag der Gräfin.

Schon kurz vor Rožňava und kurz danach gab es mehrere Wärmegewitter, gleichzeitig fuhr ich durch ein wunderschönes Gebirge (wo man sicher auch wandern kann, aber nicht diesmal). Danach habe ich nur noch einmal gehalten, in dem kleinen Ort Plešivec / Pelsőc / Pleissnitz, wo laut Tafel an der Straße eine reformierte Kirche zu besichtigen ist. Die entpuppte sich dann als eine mehrfach umgebaute gotische Kirche, an die man aber nicht nahe dran kam, weil sie eingezäunt ist (und geschlossen war).

Ab da bin ich zügig weitergefahren, um nicht wieder zu spät am Nachmittag nach einer Unterkunft suchen zu müssen. Mein Ziel war Fiľakovo / Fülek / Fileck, die einzige Stadt in der Slowakei, deren Gebiet mal von den Osmanen besetzt war (1554–1593), mit einer wunderschönen Burgruine. Und gleichzeitig ist das eine der ungarischsten Städte der Slowakei überhaupt, mit 64,4% Ungarn und einem Bürgermeister, der mit Vornamen Attila heißt. Auch hier war die Suche nicht ganz einfach, weil im Stadtzentrum kein Hotel ist, aber immerhin gab es einen Stadtplan, auf dem ich dann die Pension Bebek gefunden habe, die unterhalb der Burg liegt. Das ist ein traumhafter Ort, mit Restaurant und Biergarten, und natürlich vielen Gästen, vor allem aus Ungarn (die Übernachtungsgäste waren aber alle Tschechen, die Ungarn sind vermutlich abends nach Hause gefahren). Die erste Dame, die ich ansprach, war nicht das Slowakischen mächtig (vermutlich eine Gastarbeiterin aus Ungarn), die zweite dann schon. Sie war erst etwas unwirsch, dass da jemand einfach so ein Zimmer möchte, aber ich bekam dann doch eines, erst für eine Nacht (und inzwischen verlängert bis Mittwoch). Nachdem die Dame auch noch mein Tschechisch bewundert hatte, habe ich mich auch getraut, die ersten ungarischen Sprechversuche zu machen – was hier auf großes Wohlgefallen stößt. Allerdings ist es auch viel einfacher, Ungarisch zu sprechen, wenn man gleichzeitig ein (tschechoslowakisches) Netz unter sich hat.

Zettel am Aufzug

 

Evangelische Kirche von Trebišov

 

Ausgrabungsstätte von Nižná Myšľa

 

TESCO von Rožňava

 

 

Andrássy-Mausoleum
Pension Bebek, unterhalb
der Burg von Fülek
Reformierte Kirche von Pelešov

2 Kommentare

  1. Die Penzión Bebek sieht nicht nur toll aus, sie hat auch sehr gute Bewertungen. So soll das nicht nur die beste Adresse in der Stadt sein, sondern überhaupt sehr gut im Preis-/Leistungsverhältnis. Die ungarischen Kommentare sind alle sehr positiv. Die Slowaken sind kritischer, einer versteigt sich sogar zur Bemerkung: "takáto obsluha vóbec neprospieva cestovnému ruchu na Slovensku". Ich vermute mal, dass hier andere Beweggründe für eine solche Bewertung vorlagen. Noch einen schönen Aufenthalt und interessante Gespräche!

  2. Die Kommentare hatte ich mir nicht angeschaut, aber sie sind wirklich interessant. Am besten fand ich persönlich, dass die ungarischen Kommentare alle gut verständlich waren, ich musste nur zwei Wörter nachschauen 🙂

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