15./16. August 2020: Uherské Hradiště und Umgebung

Ich habe den ganzen Samstag und Sonntag in Uherské Hradiště verbracht, bevor ich dann am Montag nach Ungarn weitergefahren bin. Wegen der großen Hitze war ich aber nicht sehr unternehmungslustig und habe eigentlich nur am Samstag etwas unternommen, während der für den Sonntag geplante Ausflug letztlich missglückt ist (s. u.).

Den Samstagvormittag habe ich gemütlich mit Lesen und Schreiben verbracht, die meiste Zeit saß ich in einem Café auf dem Hauptplatz, nicht weit von der barocken Kirche des Hl. Franz Xaver. Am Samstag war Mariä Himmelfahrt, das hat mir die einmalige Chance geboten, die Kirche zu betreten – sie ist sonst nämlich immer geschlossen. Etwas später war dort auch Gottesdienst, aber offenbar nicht aus Anlass des Feiertags, sondern eine Hochzeit (möglicherweise heiraten manche Leute ja auch an Mariä Himmelfahrt).

Nachmittags machte ich mich auf den Weg ins „Slovácké Muzeum“, ein Museum, in dem ich vor vielen Jahren schon mal war, an das ich mich aber kaum noch erinnere. So hatte ich vergessen, dass es dort nur ethnografische Ausstellungen (und Sonderausstellungen) gibt, Säle zur Geschichte der Stadt und der Region habe ich dagegen leider vergeblich gesucht. Und über die ethnografischen Ausstellungen kann man trefflich streiten: Ein Saal war den verschiedenen Regionen der Mährischen Slowakei gewidmet, auf einem Bildschirm konnte man einzelne Gegenden antippen und hörte dann Ausschnitte aus der dortigen Volksmusik. Zwischen denen ich leider nicht viele Unterschiede bemerken konnte. Etwas interessanter war der Raum zum volkstümlichen Handwerk, in dem es freilich um zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler geht, die alte Handwerke weiterführen. Solche Traditionen sind in der Gegend wirklich lebendig und wichtig, aber ein bisschen mehr über die Geschichte hätte ich eben doch gerne erfahren. – Im Erdgeschoss gab es noch eine Sonderausstellung eines Fotografen (Karel Cudlín), mit Schwarzweißfotos aus Israel, sehr eindrücklich, aber mit einer leichten politischen Schlagseite (die in Tschechien nicht besonders überrascht).

Als nächstes habe ich einen längeren Spaziergang zur Straße Na Rybníku unternommen. Der Grund hierfür war, dass ich neulich in Tübingen beim Aufräumen die Adresse von jemandem gefunden habe, den ich bei meinem ersten Aufenthalt in Uherské Hradiště kennengelernt habe, im Jahr 1991. Damals war ich nämlich für Amnesty International unterwegs, zusammen mit einer Aktivistin aus Prag, und wir besuchten im Entstehen begriffene Amnesty-Gruppen in der Provinz. Die „Gruppe“ in Uherské Hradiště bestand aus zwei jungen Männern, die nicht nur Appellbriefe schrieben, sondern auch witzige Aktionen unternahmen (mit lustigen Gedichten, die ich leider schon lange nicht mehr habe). Aber sehr lange sind sie nicht bei Amnesty geblieben, ich glaube, das hing auch damit zusammen, dass er eine dann eine Stelle bei der Polizei antrat (was einer Tätigkeit bei Amnesty International zwar nicht entgegensteht, sie aber auch nicht unbedingt fördert). Es wäre nett gewesen, den einen der beiden wieder zu treffen. Aber natürlich lebt er nicht mehr an dieser Adresse – 29 Jahre sind eine lange Zeit.

Und dann habe ich mich entschlossen, noch einmal zum Berg des Hl. Clemens zu fahren, den ich im letzten Jahr so lange gesucht hatte (vgl. hier und hier den Bericht von damals). Diesmal war alles viel leichter, ich fuhr nach Osvětimany und von dort in Richtung Koryčany, und irgendwann kam ich zu dem kleinen Schild an der Straße. Der Weg war nicht ganz einfach, weil es offenbar in den Vortagen stark geregnet hatte, und zeitweise begann ich zu verzagen, bis ich dann im Wald ein orthodoxes Doppelkreuz sah, dahinter lag die Fläche, auf der die Fundamente der alten Kirche und einige neuere Ergänzungen zu sehen sind. Wie im letzten Jahr war ich nicht allein, es ging sogar recht lebhaft zu, aber ich habe mich nicht mit anderen unterhalten. Dieses Mal war auch die Kapelle geöffnet, neben ihr steht eine Art Xylophon, auf dem man Melodien spielen kann. Und an einem Baum hing eine Seite aus slowakischen Comic, alles etwas merkwürdig.

Am Sonntag war ich vormittags im evangelischen Gottesdienst, von dem nicht viel zu berichten ist (außer dass auch er ganz ohne Masken und Abstandsregeln auskam…), und dann wollte ich einen Ausflug nach Pohansko machen, einer weiteren großmährischen Ausgrabungsstelle. Aber dort ist alles so schlecht beschildert, dass ich die Ausgrabungen nicht gefunden habe und statt dessen in schönen Wäldern an der Morava / March spazieren gegangen bin. Bilder von diesem Ausflug gibt es keine…

Ein Kommentar

  1. Besten Dank für diesen spannenden Bericht, am meisten amüsiert hat mich dann doch dieser affichierte slowakische Comic. Herzliche Grüße und einen guten Start in die neue Woche!

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