17. August 2020: Uherské Hradiště – Pannonhalma – Pápa

An diesem Tag wollte ich von Uherské Hradiště nach Nordungarn fahren, quer durch die Slowakei, und am liebsten nach Pannonhalma, weil ich die dortige Abtei unbedingt besuchen wollte. Nach Routenplaner sollten das 215 km sein, das wäre eigentlich an einem Vormittag zu schaffen.

Tatsächlich war die Fahrt dann aber nicht so einfach… Die Probleme begannen kurz vor Břeclav, wo mein Auto mir mitteilte, ich sollte den Reifendruck überprüfen. Anders als bei den ersten Malen, als diese Meldung auftaucht, bin ich nicht gleich panisch geworden, denn inzwischen weiß ich, was man da machen muss. Ich bin also bei der nächsten Tankstelle herausgefahren, um den Reifendruck zu messen. Das Gerät überforderte mich aber völlig, bzw. ich fand nicht heraus, wie man den Schlauch des Geräts auf die Ventile stülpt. Nach vielen Versuchen habe ich in der Tankstelle nachgefragt, wo man mir fröhlich mitteilte, das Zwischenstück sei vor einiger Zeit gestohlen worden, sie hätten auch Ersatz bestellt, „aber Sie wissen ja, wie lange so etwas dauert“. Bei der nächsten Tankstelle habe ich kein Luftdruckmessgerät gefunden, bei der übernächsten war es zunächst durch einen davor parkenden Lastwagen verstellt. Als der weggefahren war, habe ich versucht, das Gerät zu verwenden, aber auch das ging wieder mit Schwierigkeiten. Dann kam jemand anderer, der auch den Reifendruck messen wollte und frage, wie lange ich brauche. Als höflicher Mensch habe ich ihn gleich vorgelassen, in der Hoffnung, dass ich dann sehe, wie man das macht. Nur stellte sich der Betreffende auch nicht besonders schlau an, offenbar weil immer wieder Luft aus dem Ventil kam. So wurde erst seine Tochter, dann deren Freund angestellt, um das Ventil zusammenzupressen. Und irgendwann erklärte er die Arbeit für beendet und sagte nur noch, das Gerät sei von schlechter Qualität (es stammte übrigens aus Deutschland…).

Ich habe dann noch einen Versuch gemacht, ohne Erfolg, und bin weitergefahren. Bald kam die slowakische Grenze, wo ich eine Autobahnvignette für zehn Tage erworben habe, und dann bin ich an der ersten Tankstelle in der Slowakei herausgefahren und habe nach dem Luftdruckmessgerät gefragt. Man zeigte mir gleich, wo es war, diesmal war es ein tragbares Gerät, ich trug es zu meinem Auto und zunächst schaute es aus, als ob es diesmal besser liefe. Aber nur beim ersten Reifen, beim zweiten war schon wieder alles vorbei. Ein netter Herr im Overall, der auf der Terrasse vor der Tankstelle saß (ich nehme an, dass er dort arbeitet und gerade Pause hatte), hat sich dann meiner erbarmt, hat mir gezeigt, dass man das Gerät jedes Mal neu aufladen muss, und hat dann freundlicherweise gleich den Luftdruck an allen Reifen gemessen und eingestellt. In der Slowakei gibt es noch freundliche Menschen!

Nun konnte ich endlich zügig weiterfahren und war auch bald an der ungarischen Grenze angekommen. Auf der slowakischen Seite konnte man die ungarische Autobahnvignette kaufen, das fand ich ein freundliches Angebot, weil ich mich in der Slowakei entschieden leichter verständigen kann als in Ungarn. Die Dame am Schalter war auch sehr nett und erbat als erstes meinen technický preukaz (Fahrzeugschein). Ich ging zum Auto, um ihn zu holen – und er war nicht da, wo ich ihn eigentlich aufbewahre. Das war unerfreulich, und auch nach einer längeren Suche im Auto konnte ich ihn nicht finden. Also ging ich zum Schalter zurück, eigentlich nur um zu fragen, wie ich von der Autobahn herunterkomme, aber die nette Dame wusste gleich einen Rat. Ich sollte auf die ungarische Seite hinüberfahren und die Vignette dort kaufen, ihre ungarischen Kollegen seien nicht so streng.

Auf der ungarischen Seite war ich gleich überwältigt von den all den schönen (oft mehrsprachigen) Aufschriften. Aber der Versuch, die Vignette ohne Fahrzeugschein zu kaufen, scheiterte kläglich, als mir das Wort Autopapier (in wunderschöner ungarischer Aussprache) entgegenschallte.

Aufschriften in der ungarischen Grenzstation

Ja, und so bin ich eben in Ungarn nur auf Landstraßen gefahren, was eigentlich auch nicht so schwer ist. Vor allem kann man bei meinem Navigator auch einstellen, dass man Autobahnen vermeiden will. Ich war dann bald in Mosonmagyaróvár, wo ich an Schildern am Straßenrand bald erkannte, dass hier eine deutsche Minderheit lebt. Und kurz nach 15 Uhr war ich in Pannonhalma, dem Ziel der Reise. Dort habe ich dann meine ersten Versuche gemacht, auf Ungarisch zu kommunizieren, an einer Tankstelle, das lief eigentlich ganz gut. Dann bin ich zum Kloster hinaufgefahren, einfach um es aus der Nähe zu sehen (wie sich später zeigte, hätte ich aber gut daran getan, mir die Öffnungszeiten anzusehen), und dann ging ich auf Hotelsuche. Allerdings stellte ich bald fest, dass das schwierig werden dürfte, denn das vom Reiseführer empfohlene Hotel gab es nicht mehr, und das einzige andere, das ich fand, war verschlossen (es gab nicht einmal eine Klingel). Nachdem ich noch kurz meditiert hatte, wodurch sich wohl ein vendégház (Gästehaus) von einem Hotel und einer Pension unterscheidet, habe ich mich spontan entschlossen, in eine größere Stadt zu fahren, und machte mich auf den Weg in die Barockstadt Pápa (deutsch Poppa).

Kloster Pannonhalma

Pápa hat mich sofort sehr beeindruckt, am Hauptplatz steht eine riesige Barockkirche, und auch viele Häuser stammen noch aus dieser Zeit. Hotels wurden mehrere angezeigt, ich habe mich dann für eines am Hauptplatz entschieden, das Hotel Arany Griff, offenbar ein Traditionshotel (der Name bedeutet „Goldener Greif“). Die Verständigung mit der Dame an der Rezeption war schwierig (weder ihr Englisch noch mein Ungarisch reichten aus), aber dann wurde jemand anderes angerufen, der deutsch sprach, und ich konnte für eine Nacht ein Zimmer buchen (ich bin letztlich aber vier Nächte geblieben). Das war auch höchste Zeit, denn es gelang mir gerade noch mein Auto zu holen, dann begann ein schrecklicher Wolkenbruch, und ich war froh im Trockenen zu sein. Eigentlich wollte ich auch noch etwas essen und war skeptisch, ob ich ein Restaurant finde – aber dann zeigte sich, dass zum Arany Griff ein veganes Restaurant gehörte. Das war zwar ein veganes Restaurant der Art, wo alle Speisen Namen von Fleischgerichten haben, es gab also Burger, Schnitzel, Chicken Nuggets und Geschnetzeltes. Aber das Geschnetzelte (vermutlich aus Tofu hergestellt) war wirklich sehr gut. Und so endete der erste Tag in Ungarn sehr angenehm.

 

2 Kommentare

  1. Vielen herzlichen Dank für diesen sehr spannenden Bericht. Die Aufschriften an der Grenze sind köstlich, zeigen aber offenkundig auch, dass sich unter den Fernfahrern kaum Deutschsprachige befinden dürften bzw. diese nicht die Angewohnheit haben, die Maschine zu schlagen. Ebenso dürften alle Slowaken entweder auch brave Nichtschläger sein oder soweit Ungarisch verstehen, dass sich eine Übersetzung erübrigt. Hoffentlich findet sich Dein Zulassungsschein noch, ohne den dürfte man bei uns gar nicht fahren, auch nicht auf Landstraßen. Herzliche Grüße und weiterhin alles Gute!

  2. Den Fahrzeugschein muss man in allen Ländern der Welt dabei haben, natürlich auch in Deutschland. Und wenn man kontrolliert wird und ihn nicht vorweist, muss man vermutlich eine Geldstrafe bezahlen. Aber man wird ja sozusagen nie kontrolliert, ich auf dieser Reise z.B. kein einziges Mal.

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