21./22. August 2020: Rückfahrt

Am 21. August habe ich mich auf den Rückweg nach Hause gemacht. Man könnte zwar an einem Tag von Pápa nach Tübingen fahren, das sind laut Google Maps ca. 850 km, allerdings über Österreich. Und durch Österreich will ich in diesen Zeiten nicht so gerne fahren… Wer weiß, was man an der deutsch-österreichischen Grenze alles erlebt, auch wenn man nicht aus einem Risikogebiet kommt. Also habe ich beschlossen, wieder durch die Slowakei und Tschechien zu fahren und noch einmal in Tschechien zu übernachten.

So habe ich nach dem Frühstück noch schnell den Wappensaal des Hotels fotografiert und bin dann von Pápa in Richtung Grenze gefahren, natürlich wieder unter Vermeidung aller Autobahnen. Das gelang eigentlich ganz gut, zumindest zu Anfang, und gegen 11 Uhr war ich dann in dem kleinen Ort Mosonszolnok, der auch einen deutschen Namen hat, nämlich Zanegg. Bei der Hinfahrt hatte ich in diesen ehemals deutsch besiedelten Gebieten nicht Halt gemacht, diesmal ging ich kurz auf den Friedhof und suchte nach zweisprachigen Grabsteinen. Die Suche war gar nicht so einfach, eher stehen deutsche und ungarische Grabsteine nebeneinander. Aber einige Grabsteine, in denen die ältere Aufschrift auf Deutsch und die neuere auf Ungarisch steht, gibt es trotzdem.

Dann fuhr ich weiter – und auf einmal gestaltete der Weg sich schwierig. Denn die Wegweiser in die Slowakei führten nur zu Autobahnen… Ich hätte zwar vielleicht riskieren können, einige hundert Meter auf einer ungarischen Autobahn zu fahren, aber das habe ich nicht getan. Ich habe nach anderen Übergängen gesucht – und war auf einmal an der ungarisch-österreichischen Grenze. Und zwar in einer Schlange, die man nur mit einigen Mühen wieder hätte verlassen können. Also bin ich eben doch nach Österreich hinübergefahren, mit der Absicht, von dort schnell in die Slowakei zu kommen. An der Grenze wurde ich sogar kontrolliert, aber nach einem kurzen Blick auf den deutschen Personalausweis hat man mich weitergewinkt. Ein Konvoi von rumänischen Kleinbussen war offenkundig viel interessanter als ich (aber auch diese wurden durchgelassen).

Schon nach kurzem wurde mir klar, dass sich das Autobahnproblem in Österreich fortsetzte. Denn ich hatte ja nach wie vor nur die tschechische und die slowakische Vignette und hätte mir eine österreichische kaufen müssen. Was ich aber wegen des Geldes, aber wegen des fehlenden Fahrzeugscheins lieber vermieden habe… Ich war aber auch zu faul, mir auf einer Karte anzuschauen, welche Straßen es gibt, sondern ich habe in meinem Navigator einfach als Ziel Břeclav eingestellt. Und bin dann, rechts Bratislava und links Wien vermeidend, an der March/Morava entlang nach Norden gefahren, aber doch nicht ganz bis Břeclav. Nahe dem Städtchen Cáhnov (heute besser bekannt unter seinem österreichischen Namen Hohenau) bin ich über die March gefahren, habe noch ein paar Kilometer die slowakische Autobahn genutzt und dann die tschechische.

Von der Fahrt gibt es nichts zu berichten, weil ich nur auf der Autobahn war. Erst kurz vor der Grenze bin ich von der Autobahn heruntergefahren, um ein Hotel zu suchen, zunächst wieder in Stříbro/Mies. Als ich zu dem Hotel kam, wo ich schon oft übernachtet habe, sah ich, wie Leute ihr Auto wendeten und wieder zur großen Straße zurückkehrten, da war mir schon klar, dass es keinen Sinn hat zu fragen. Zwei weitere Hotels, wo ich schon übernachtet habe, habe ich nicht mehr gefunden… Also ging es weiter in Richtung Grenze, wobei ich die spontane Eingebung hatte, es mal wieder in Tachov zu probieren. Dort habe ich vor Jahren mal in einem „Parkhotel“ übernachtet, ich war gespannt, ob es das noch gibt.

Die Hotelsuche war aber nicht so einfach, wie ich gedacht hatte. Nirgends in Tachov war ein Hotel angezeigt, Google wollte mir auch keines nennen, und irgendwann war ich so weit, dass ich beschloss, doch noch über die Grenze zu fahren, in ein mir bisher unbekanntes deutsches Städtchen namens Bärnau. Aber dort bin ich letztlich doch nicht gelandet, denn beim Abbiegen an einer Kreuzung sah ich ein völlig ausgeblichenes Schild mit der Aufschrift Parkhotel! Also habe ich gewendet und bin neben dem Schild in eine Einfahrt hineingefahren, an deren Ende sich das Hotel befand. Dort parkten einige Autos und junge Leute saßen vor dem Haus, so war ich zunächst skeptisch, ob ich noch ein Zimmer bekomme.

Der Herr an der Rezeption war aber sichtlich erfreut, dass ich nach einem Zimmer frage und bot mir gleich eines an – wahrscheinlich hätte er auch mehrere gehabt. Wir wickelten dann schnell die Formalitäten ab, Etwas verwirrt war ich nur, als er auf einmal auf Deutsch zu mir du Arzt? sagte. Viel mehr Deutsch konnte er aber nicht und ich habe ihm lieber auf Tschechisch erklärt, dass ich einen anderen Doktortitel habe.

Das Hotel war ansonsten recht interessant, denn es war eigentlich nur außen heruntergekommen. Das Zimmer war völlig in Ordnung, und es gab auch ein gutes WLAN. Die Aushänge im Haus waren aber zweisprachig, nämlich tschechisch und ukrainisch! Offenbar läuft das Geschäft in Tachov so schlecht, dass Teile des Hotels an ukrainische Arbeiter_innen vermietet sind…

Ukrainischer Aushang im Parkhotel

Abends bin ich dann noch in der schönen Altstadt von Tachov spazieren gegangen und habe auf dem Hauptplatz in einem Musikcafé eine vegetarische Pizza gegessen. Und am nächsten Morgen bin ich dann erst nach München und später nach Tübingen gefahren, wo ich am frühen Abend eingetroffen bin.

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für deinen schönen abschließenden Bericht, diese böhmischen Städtchen sind ja doch immer wieder etwas Herrliches. Und Österreich hast Du ja zumindest auch noch gestreift! Hoffentlich gibt es eine baldige Fortsetzung des Blogs (aus Italien?). Herzliche Grüße von der gesamten Familie!

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