31. Juli 2019: Kalwaria Zebrzydowska – Wadowice

An diesem Tag habe ich noch mit meiner Schwester und ihren Töchtern gefrühstückt, dann trennten sich unsere Wege. Sie fuhren in Richtung Prag, ich wollte noch ein bisschen Orte in der Gegend von Krakau besichtigen und dann irgendwo in Westmähren übernachten, um dann am nächsten Tag rechtzeitig nach München fahren zu können.

Der erste Ort, den ich besichtigt habe, war Kalwaria Zebrzydowska, ein im Gebirge gelegener Wallfahrtsort, der insbesondere auch für Papst Johannes Paul II. eine große Rolle gespielt hat. Er wurde im Jahr 1600 von Mikołaj Zebrzydowski gegründet, einem Magnaten, der damals Woiwode von Krakau war – dieser ließ auf einem Berg eine Heilig-Kreuz-Kirche errichten, die der Grabeskirche in Jerusalem nachgebildet sein soll. Und weil ich im Juni die Grabeskirche besucht habe, hat mich sehr interessiert, wie groß die Ähnlichkeit ist…

Kalwaria Zebrzydowska
Inneres der Kirche
Wege um Kalwaria Zebrzydowska
Papst Johannes Paul II.

Die Ähnlichkeit ist, wie ich vorausschicken will, nicht sehr groß, aber ansonsten ist die Kirche sehr beeindruckend, schon allein durch ihre Lage auf einem Hügel, den man von weitem sieht, aber auch durch die Ausstattung. Gleichzeitig kann man hier ein bemerkenswertes Denkmal des konservativen polnischen Katholizismus erleben, denn neben der Kirche ist auch ein Bernhardinerkloster (die Bernhardiner sind ein polnischer Zweig der Franziskaner und sollten nicht mit den gleichnamigen Hunden verwechselt werden) mit Gästehaus usw. (ich kann insbesondere das gute WLAN empfehlen). Erst allmählich wurde mir dann klar (ich gebe zu, ich war nicht so gut vorbereitet), dass die Kirche und das Kloster das Zentrum einer viel größeren Anlage mit ca. fünfzig Kapellen und anderen Sehenswürdigkeiten sind (u.a. dem Palast des Herodes und dem Gericht des Pilatus). Das kann man alles erwandern (wenn man genügend Zeit hat), angeboten wurde auch zwei (wahrscheinlich von einem Priester) geführte Wanderungen, die „Dróżki Matki Bożej“ (2 Stunden) und die „Dróżki Pana Jezusa“ (4 Stunden). Ich bitte um Nachsicht dafür, dass ich den Ort bald wieder verlassen habe…

Dann fuhr ich weiter nach Wadowice, in den Geburtsort von Papst Johannes Paul II. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich dort nicht schon mal war (beispielsweise bei dem Ausflug beim Slavistenkongress in Krakau 1998), aber das erscheint mir jetzt eher unwahrscheinlich, weil mir nichts bekannt vorkam. Wadowice ist eine Kleinstadt, in deren Mitte ein großer Platz liegt, an dem praktischerweise auch die wesentlichen Sehenswürdigkeiten sind, nämlich das Geburtshaus des Papstes und die Kirche. Auf dem Platz gab es außerdem gerade eine Ausstellung zum „polnischen Freiheitsgen“, zum Thema 150 Jahre polnische Befreiungskriege (die offenbar schon 1768, vor der ersten Teilung, begonnen haben). Und der Papst war allgegenwärtig, selbst in einem Café auf dem Platz wurde mit einem Zitat von ihm geworben, in dem er sagt, dass er in seiner Jugend viele Cremerollen (kremówki) gegessen hat. Erst später habe ich (aus einer Diskussion auf Facebook) erfahren, dass die Cremerollen von Wadowice offenbar legendär sind, natürlich auch wegen des Papstes.

Geburtshaus des Papstes
Kirche von Wadowice
Einladung zur Ausstellung
Schild am Kircheneingang

 

 

 

 

Eigentlich wollte ich ja sowohl das Geburtshaus als auch die Kirche besichtigen. Ins Geburtshaus bin ich aber nicht hineingekommen, es gibt nur Besichtigungen von 75 Minuten Dauer (vermutlich ist da ein Gottesdienst integriert…), und eine Schlange vor der Kasse gab es auch. So ging ich in die Kirche, wo gleich am Anfang ein Schild mitteilte, dass gerade ein Gottesdienst stattfinde – was aber gar nicht zutraf. Und an jedem Pfeiler hing ein Bild von Johannes Paul II. mit einem passenden Zitat.

Ich habe dann zwar noch gut zu Mittag gegessen, dann aber die Stadt verlassen, wegen – wie ich das auf Facebook genannt habe – „akuter Johannes-Paul-Allergie“. Dazu will ich doch noch ausführen, dass ich gar kein so schlechtes Bild von dem Papst habe, der erstens historische Verdienst um den Umbruch in Osteuropa hat und dessen theologische Ansichten ich weitgehend akzeptiere (insbesondere seine Haltung zum Judentum). Aber hier geht es um eine Art von Kult, die der Papst zu Lebzeiten wahrscheinlich auch nicht so gut gefunden hätte…

Von Wadowice fuhr ich schnell über die Grenze und dann ins westliche Mähren, wo ich gerne in Náměšť nad Oslavou abgestiegen wäre, dort, wo 1534 die erste tschechische Grammatik gedruckt wurde. Die Stadt war aber völlig ausgestorben, und im Stadtzentrum gibt es auch kein Hotel mehr. So bin ich dann ins nahe Velká Biteš gefahren, wo ich eine Nacht übernachtet habe, bevor ich mich auf den Weg nach München machte.

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen Bericht. Es ist immer gut, wenn manche Reisen andere für einen erledigen, wenn sie zwar interessant erscheinen, aber auf der Liste der Prioritäten gegenüber anderen Destinationen halt immer wieder zurückrutschen. Solchen Kult hätten wohl nicht nur der ehemalige Papst, sondern auch Jesus Christus für abwegig erachtet, oder sind wir da einfach zu streng?

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