4. August 2019: Uherské Hradiště – Fahrradfahren im Großmährischen Reich – Suche nach „Klimentek“

Am Sonntagmorgen habe ich im Hotel gefrühstückt und bin danach in den Gottesdienst in der evangelischen Kirche gegangen, wo ich auch im letzten Jahr, nach dem Autounfall, schon war. Genauer gesagt bin ich aber nicht in den Gottesdienst gegangen, sondern gefahren, ich wollte nun endlich mein Klapprad, das seit über einer Woche im Kofferraum meines Autos lag, „entfalten“ und verwenden. Da ich für das Zusammenfalten lange gebraucht habe und letztlich auch Hilfe in Anspruch nehmen musste, war ich etwas ängstlich, wie gut ich das hinbekomme, aber alles ging gut. Nur der Lenker stand etwas schief, sodass die Handbremsen woanders waren als gewohnt, diesen Fehler konnte ich aber nach dem Gottesdienst beheben.

Den Gottesdienst hat Herr Pfarrer Vogl abgehalten, ebenso wie im Vorjahr, und es war wieder ein schöner Gottesdienst, auch wenn ich etwas Schwierigkeiten hatte, in die Predigt hineinzufinden, in der nämlich immer wieder auf die Predigt der Vorwoche Bezug genommen wurde. Der Pfarrer hält nämlich gerade eine Reihe von Predigten zu verschiedenen Aspekten der Bergpredigt.

In diesem Gottesdienst gab es auch das Abendmahl, mit Brot und Wein (wonach man in Deutschland schon lange suchen muss), und mit gemeinsamem Singen während der Austeilung, eine besondere Herausforderung, wenn man die Lieder nicht auswendig kann. Nach den Abkündigungen begrüßte der Pfarrer die anwesenden Gäste, da bin ich fast ein bisschen erschrocken, ob ich auch gemeint bin. Wie sich zeigte, ging es aber um Besucher*innen des Filmfestivals, die gebeten wurden, den Anwesenden zu sagen, welcher Film ihnen am besten gefallen hat. Zwei Herren stellten sich kurz vor (der eine war aus Jeseník, der andere aus Prag) und äußerten sich zu den Filmen, wobei beide letztlich den russischen Film Аннина война („Annas Krieg“) empfahlen – dem schloss sich auch der Pfarrer an. Ich hatte noch nie von diesem Film gehört, werde mich aber bemühen ihn vielleicht auch anzuschauen.

Nach dem Gottesdienst gab es eine kleine Bewirtung, wo ich die Bekanntschaft mit dem Pfarrer erneuern konnte (er erinnerte sich zwar an mein Gesicht, aber nicht mehr an die Einzelheiten meines letztjährigen Aufenthalts). Ferner habe ich einen Deutschen kennengelernt, der in Uherské Hradiště wohnt und in der Nähe in einer Firma als Elektroingenieur arbeitet, und eine Deutschlehrerin vom Gymnasium. Und alle wollten sich mit mir über das Filmfestival unterhalten…

Gegen 12 Uhr bin ich noch einmal ins Hotel zurück und bin dann zu meiner ersten Fahrradtour durch Großmähren aufgebrochen, mit einem besonderen Ziel. Und zwar hatte ich bei der Vorbereitung festgestellt, dass es zwei großmährische Ausgrabungen gibt, wo ich noch nicht war, erstens Modrá in der Nähe des Klosters Velehrad und zweitens den Berg des Hl. Clemens bei Osvětimany, im Volksmund „Klimentek“ genannt. Insbesondere das zweite Ziel hat meine Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, weil es zu diesem Berg einen sehr ausführlichen tschechischen Wikipedia-Artikel gibt, in dem man faszinierende Dinge erfährt. Die Slavenapostel Kyrill und Method sollen dorthin nämlich die Reliquien des Hl. Clemens gebracht haben, die sie auf der Krim wiederaufgefunden hatten. Der Hl. Clemens war einer der ersten Päpste (gestorben im Jahr 97), und obwohl es eine Reihe von Texten gibt, die ihm zugeschrieben werden, darunter einen, den die Forschung weitgehend als echt ansieht (das ist der 1. Clemensbrief), ist sein Leben von Legenden umwoben. Nach der bekanntesten Legende wurde er vom Kaiser Domitian auf die Krim verbannt und erlitt dort den Märtyrertod durch Ertränken. Kyrill und Method fanden sie wieder auf und brachten sie 869 zu Papst Hadrian II. nach Rom, wo sie in der Kirche St. Clemente beigesetzt wurden. Dargestellt ist das alles auf schönen Fresken im Untergeschoss der Kirche, eine Zwischenlagerung der Reliquien in Großmähren wird dort allerdings nicht erwähnt.

 

 

 

 

Laut Google Maps soll Osvětimany ca. 20 Kilometer von Uherské Hradiště entfernt sein. Das erschien mir im Prinzip machbar, wenn auch an der Grenze dessen, was ich bei der ersten Fahrradtour erledigen wollte, und so machte ich mich auf den Weg durch die Mittagshitze. Ich fuhr von Uherské Hradiště über die Morava nach Staré Město (wo das große Museum zu Großmähren ist) und von dort parallel der großen Straße nach Brünn auf einem Fahrradweg. Fahrradwege gibt es hier in Großmähren viele, offenbar handelt es sich meistens um ehemalige Landstraßen, die für Autos gesperrt wurden, die Beschilderung ist aber sehr schlecht. Das erste Schild, auf dem Osvětimany stand, kam erst nach über 5 km, und dort stand immer noch, es seien 20 km. Jetzt wurde ich doch etwas ängstlich und beschloss, lieber nach Velehrad zu fahren, das ebenfalls auf diesem Schild stand, aber nur 5 km entfernt sein sollte. Wie richtig diese Entscheidung war, sollte sich im Laufe des Nachmittags noch öfter herausstellen…

 

 

 

 

Der Weg nach Velehrad war vielfältig, insbesondere auch wegen der Wegweiser, auf denen meistens nämlich nur die Nummer der Straße steht, aber nicht wohin sie führt. So habe ich mich erst noch in ein Dorf namens Tupesy verirrt, kam aber von dort schnell nach Velehrad, wo ich erstmal eine kleine Pause gemacht habe. In dem Restaurant am Wegesrand gab es nur die Wahl zwischen Bier und Limonade, ich habe mich für Limonade entschieden und bekam Kofola, das ist der aus dem Kalten Krieg stammende tschechische Coca-Cola-Ersatz (sehr süß…). Dann habe ich die Kirche besucht, nach leichtem Zögern, denn ich war in kurzen Hosen unterwegs, und die sind in katholischen Kirchen bekanntlich verboten. Aber nachdem alle Männer, die ich aus der Kirche herausgehen sah, auch kurze Hosen anhatten, habe ich mich getraut. Und niemand hat etwas gesagt, im Sommer wird offenbar auch die katholische Kirche schwach…

An einem Stand kaufte ich mir noch drei Packungen Oblaten mit dem Bild von Kyrill und Method und zwei Ausmalbücher, wer weiß, vielleicht lassen die sich mal in der Veranstaltung zur Sprachgeschichte verwenden. Und dann fuhr ich zurück nach Uherské Hradiště, um mich von dort noch einmal auf den Weg nach Osvětimany zu machen, diesmal mit dem Auto. Der Ort Osvětimany ist tatsächlich ca. 20 km von Uherské Hradiště entfernt, aber die „archeologická lokalita“, die schon weit vor Osvětimany auf Schildern angekündigt wird, befindet sich nicht im Ort selbst. Bzw. ich habe mich schnell gefragt, wo der „Klimentek“ sich denn nun befindet, denn es gibt keine Wegweiser, keine Karten, nur die Hinweisschilder am Straßenrand. Dann fing es auch an zu regnen (nur gut, dass ich nicht mit dem Fahrrad da war) und ich bin alle Straßen, die aus Osvětimany hinausführen, gefahren, teilweise bis weit hinter den Ort, ohne Ergebnis.

 

 

 

 

Der Ort war außerdem menschenleer, sodass man niemanden fragen konnte, und nachdem es mir beim letzten Versuch nicht einmal gelungen war, zur katholischen Kirche hinzufahren (die man von weitem sieht), bin ich unverrichteter Dinge nach Uherské Hradiště zurückgekehrt, mit der Absicht, es am nächsten Tag noch einmal zu versuchen.

2 Kommentare

  1. Kofola ist aber viel weniger süß als Coca Cola, jedenfalls kommt es mit nur einem Drittel der Zuckermenge von Coca Cola aus. Am besten ist es frisch gezapft aus dem Fass, auch die Stevia-Version schmeckt ausgezeichnet. Pass gut auf beim Radfahren, dass Du da nicht übersehen wirst. Wir hoffen, Du verwendest auch die entsprechende Schutzkleidung, die vorgeschrieben ist.

    1. Ich glaube, wir haben verschiedene Geschmäcker, Kofola finde ich ziemlich grauslich und vor allem zu süß. Wobei ich dazusagen muss, dass ich überhaupt nicht Coca Cola, die Aussage über den Zuckergehalt also nicht überprüfen kann.

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