10. August 2019: Humenné – Strážske – Moldava nad Bodvou

Am Morgen habe ich mich als erstes darum gekümmert, eine Werkstatt zu finden, die sich meinen Vorderreifen anschauen könnte. Auf dessen Mängel machte mich inzwischen auch die Elektronik meines Autos aufmerksam, die beim Start meldete, ich sollte den Druck auf dem rechten Vorderreifen überprüfen. Leider war der Tag aber ein Samstag, und somit war von vornherein klar, dass die meisten Werkstätten geschlossen sein würden. Eine kurze Recherche im Internet ergab allerdings, dass in der Slowakei manche Werkstätten auch samstags geöffnet haben, das war freilich eine allgemeine Feststellung, da die Werkstätten aus Humenné großenteils nicht im Internet stehen.

Die Damen an der Rezeption wussten von einer Werkstatt, die offen haben müsste, also bin ich als erstes zu dieser gefahren. Dort war das Tor offen, ich fuhr hinein und erblickte mehrere Leute, die dort ihre Autos wuschen. Von der Werkstatt selbst war aber niemand da, der Mechaniker ist, wie mir ein netter junger Mann erklärte, in Urlaub. Er zeigte mir auch, wo der Reifen beschädigt ist, und sagte, da trete offenbar Luft aus, wenn auch sehr langsam. Dann nannte er mir eine weitere Werkstatt, und ich habe in der nächsten halben Stunde dann insgesamt vier Werkstätten in Humenné angefahren, alles ohne Erfolg. Aber überall waren nette hilfreiche Menschen, die weitere Werkstätten empfahlen, wobei sie teilweise weder den Namen des Besitzers noch der Straße wussten, sondern mir mündlich beschrieben haben, wie man dort hinkommt.

Ich habe es dann aber aufgegeben und mich auf den Weg zu meinem nächsten Ziel gemacht, der kleinen Stadt Moldava nad Bodvou im Süden der Slowakei. Dort wollte ich endlich mal wieder hin, nachdem ich dort 1994 (?) meine ersten großen Erlebnisse mit der ungarisch-slowakischen Zweisprachigkeit gemacht hatte. Ich kam damals aus der Zips in den Süden, bin in einem Hotel abgestiegen und war am nächsten Tag ziemlich verwirrt, weil alle um mich herum Ungarisch sprachen, während gleichzeitig alle Beschriftungen auf Slowakisch waren. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich dann bei der Höhle von Jasov (dort in der Nähe), wo ich beim Warten auf die Führung erschrocken bin, weil alle Ungarisch sprachen, und dann ganz erleichtert war, dass wenigstens die Führung selbst auf Slowakisch stattfand.

Moldava nad Bodvou ist ca. 100 km von Humenné entfernt, so hielt ich es für möglich, dass ich mit dem Reifen noch bis dort komme, wollte aber unterwegs nach weiteren Werkstätten Ausschau halten oder vielleicht auch an einer Tankstelle um Hilfe bitten. In Strážske, einem der nächsten Orte, sah ich dann wieder eine Werkstatt, vor der Leute standen, bin dorthin gefahren, nur um festzustellen, dass dort zwar Verkaufsstände stehen, dass die Werkstatt aber geschlossen ist. Und dann habe ich an einer Tankstelle am Ortsausgang gefragt. Der Tankwart war sehr nett und hilfsbereit, meinte, er könne mir helfen, den Reifen aufzublasen (der sah mir wohl gleich an, dass ich das selbst nicht kann), aber er wisse auch eine Werkstatt, die geöffnet hat. Zu der bin ich dann also gefahren, mit demselben Erfolg wie immer, wobei an dieser Werkstatt sogar stand, sie sei geöffnet, nur war keiner da. Ich habe noch die Telefonnummer angerufen, niemand nahm ab, und ich fuhr zurück zur Tankstelle.

Der Tankwart war gar nicht so verwundert, dass die Werkstatt geschlossen war, und bot an, mir zu helfen, ich müsse nur ein bisschen warten, bis sein Chef kommt, er sei derzeit allein. Gewartet habe ich weniger als zehn Minuten, dann kam der Tankwart, besichtigte mein Auto – und fragte mich, ob ich ein Reserverad habe. Das habe ich natürlich, aber nach Erfahrungen mit meinem vorherigen Auto war ich sicher, dass es um eine Art von Rad geht, die man nur einsetzt, um bis zur nächsten Werkstatt zu fahren. Bei der Inspektion des Reserverads stellte sich aber heraus, dass ich jetzt ein vollwertiges Rad habe, und der Tankwart hat es innerhalb von etwa 10 Minuten schnell und sachgerecht eingesetzt. Ich hätte ihm gerne etwas Geld gegeben, aber er hat sich standhaft geweigert und meinte, es sei ihm eine Ehre, dass ich seine Tankstätte aufgesucht habe, um ihn um Hilfe zu bitten. So nette Menschen gibt es in der Slowakei!

Dann bin ich weiter in Richtung Moldava gefahren, wobei mich der Navi sinnigerweise zunächst durch ein Gebirge führte, die sog. Slanské vrchy, sehr malerisch, aber auf einer sehr schlechten Straße mit vielen Schlaglöchern… Im Bewusstsein dessen, dass ich im Moment kein Reserverad habe, bin ich noch vorsichtiger gefahren als sonst und auch gut angekommen, vorbei an Košice zunächst nach Čečejovce (ungarisch Csécs), kurz vor Moldava. Dort wurde meine Aufmerksamkeit dadurch in Anspruch genommen, dass an der Straße auf eine reformierte Kirche hingewiesen wird, und im Ort selbst steht dann überall die Jahreszahl 1317. Eine reformierte Kirche von 1317 wäre natürlich etwas Faszinierendes. Leider konnte ich das Kirchengebäude aber nur von der Straße aus sehen, und am Tor stand auch nicht, wann geöffnet ist, und auch nicht, wann dort Gottesdienst stattfindet. Gegenüber von der Kirche wurde dagegen gerade ein Volksfest vorbereitet, mit Spanferkel am Spieß und vielen gut gelaunten Menschen, die sich auf Ungarisch unterhielten. Ich bin aber nicht auf das Fest gegangen, erstens weil es noch nicht begonnen hatte, zweitens weil es offenkundig um das Fest eines Sportvereins ging. So habe ich meine Fahrt nach Moldava fortgesetzt, wo ich dann auch wenige Minuten später eingetroffen bin.

 

 

 

 

In Moldava habe ich auf die Suche nach dem Hotel gemacht, in dem ich vor vielen Jahren schon mal gewohnt habe. Das war nicht ganz einfach, denn ein Hotel gibt es hier nicht mehr, dafür stellte sich dann die Pension Bodva als jenes Hotel heraus. Die war freilich wie ausgestorben, auf Klingeln öffnete niemand, und das ganze Unternehmen wirkte auch nicht sehr vertrauenswürdig (einzelne Räumlichkeiten im Erdgeschoss sind an Firmen vermietet). Also bin ich weitergefahren, habe an der Straße dann den Hinweis auf eine Pension Ferdinand gesehen, die ich schließlich mit Hilfe des Navis gefunden habe – sie liegt ganz nah bei der Pension Bodva, nur heißt die Straße da anders.

 

 

 

 

In der Pension Ferdinand bekam ich problemlos ein Zimmer für drei Nächte (und werde vermutlich um eine vierte verlängern), habe mich erstmal etwas ausgeruht und dann auch noch einen kleinen Ausflug auf dem Fahrrad gemacht. In Moldava, das auf Ungarisch übrigens Szepsi heißt, gibt es nicht viel zu sehen, lediglich eine katholische und eine reformierte Kirche, die katholische aus dem 15., die reformierte aus dem 18. Jahrhundert. Die reformierte Kirche ist von allen Seiten verschlossen, ohne Hinweistafeln, man erfährt nicht einmal, wann Gottesdienste sind. Dabei wollte ich doch unbedingt am nächsten Tag einen reformierten Gottesdienst besuchen, möglichst in ungarischer Sprache.

Ich fuhr dann übers Land, in ein Dorf namens Peder (ungarisch Péder), alles ist hier sehr ruhig und gemütlich. Etwas gewundert hat mich, dass der Friedhof rein ungarisch beschriftet ist, aber Peder ist offenbar noch zu 80% ungarisch besiedelt. Beim Weiterfahren kam ich zu einer Brücke und sah, dass neben dem kleinen Fluß (der Bodva) ein schöner Fußweg führte, den bin ich dann entlanggefahren und habe einige Überraschungen erlebt. Der Weg wurde zeitweise sehr eng und unregelmäßig, da habe ich dann lieber geschoben, und am Schluss war er durch einen umgestürzten Baum völlig versperrt. Ich hatte schon Angst, ich sei in ein Naturschutzgebiet geraten, aber ein Herr, der des Weges kam, grüßte mich freundlich und fand gar nichts dabei, dass ich da mit dem Fahrrad unterwegs bin. Letztlich war ich über zwei Stunden unterwegs und bin mehr als 25 km gefahren…

 

 

 

 

 

 

 

Abends habe ich in der Pension zu Abend gegessen, die nämlich auch über ein vorzügliches Restaurant verfügt. Am Nebentisch saß eine ungarische Großfamilie, der ich ergriffen gelauscht habe. Viel verstanden habe ich nicht, aber eine blonde Dame sagte immer wieder igen, und wenigstens  das verstehe ich gut (das Wort bedeutet ja). Erst spät habe ich gemerkt, dass an dem von mir entfernte Ende des Tischs auch Englisch gesprochen wurde. Dort saßen zwei junge Leute, die nur Englisch sprachen, und ihre Mutter (?), die Englisch und Ungarisch sprach. Am eindrucksvollsten war aber die Großmutter (??), die älteste Anwesende, die das Gespräch zu großen Teilen dominierte, fast immer Ungarisch sprach, und dazwischen ein bisschen auf Englisch. Vermutlich war ich Zeuge eines Familientreffens von Ungarn aus den USA mit ihren Verwandten in der Slowakei. Und ein bisschen musste ich auch an den „Besuch der alten Dame“ denken.

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für den weiteren Bericht. Ich bin froh, dass sich das alles nun schön und gemütlich entwickelt. Hoffentlich wirst Du keinen weiteren Reifen brauchen. Ich erinnere mich noch an einen Urlaub in Hluboké, einem Ortsteil von Dalečín im Bystřicko. Da fuhr ich offenbar auf einen spitzen Gegenstand, jedenfalls verlor der eine Vorderreifen danach auch rasch Luft. Mit einer Werkstätte hatte ich damals Glück, gleich die erste war zu allem bereit, die Aktion lief in Windeseile ab. Zuerst wollten mir die Mechaniker noch eine teurere Lösung schmackhaft machen, doch als die freundlichen Mechaniker kapiert hatten, dass ich mit einem Leihauto unterwegs bin und sonst nie Auto fahre, reparierten sie den Schaden behelfsmäßig, und ich musste lediglich für die Materialkosten aufkommen.

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