10. August 2018: Kremnica / Kremnitz, Bojnice und ein unerwarteter Abend

Am Donnerstagvormittag sind wir zum nächsten Ausflug aufgebrochen. Mein Gastgeber hatte sich einen sehr ambitionierten Plan ausgedacht, den ich ein bisschen gekürzt habe. Eine Stadt, wo ich schon öfter war, wurde gestrichen, und der Schwerpunkt sollte auf dem Schloss Bojnice liegen, dem berühmtesten und angeblich schönsten slovakischen Schloss, ganz im Westen des Landes. Ich war schon mal in dieser Gegend, stand vor dem Schloss und bin vor dem riesigen Rummel rund um das Schloss zurückgeschreckt. Aber diesmal sollte es nun klappen. Vor Bojnice wollten wir noch einen kurzen Besuch in Kremnica machen, wo ich bisher nur einmal kurz war und die ehemalige Münze besucht habe. Und als letztes wollte mir Marián in Rájecká Lesná die größte Weihnachtskrippe des Landes zeigen.

Der Weg nach Kremnica zog sich etwas, weil wir auf der engen Straße durch das Orava-Tal nur sehr langsam vorankamen. Wenn vor einem drei Mähdrescher fahren, kann man auch nur schwer überholen… Aber irgendwann war das Tal vorbei und wir wurden schneller. Weil ich nach wie vor die Autobahnen vermeiden will, fuhren wir aber teilweise auf Nebenstraßen und durch Orte, die nicht einmal mein Begleiter kannte.

Die alte Bergwerkstadt Kremnitz erwies sich als erstaunlich schwer zugänglich. An der Altstadt führt eine Schnellstraße vor, an der nirgends klar vermerkt wird, wie man ins Zentrum kommt. Wenn man dann im Zentrum ist, versteht man das zwar – die Stadt steht auf einem Berg und die Straße der Altstadt sind schwer befahrbar. Aber etwas freundlicher könnten sie zu den Tourist_innen schon sein…

Zuletzt parkten wir auf einem zentralen Platz, an dem auch die Münze steht, die ich schon einmal besucht habe. Der Parkschein war aber wieder ein Problem, denn es gibt keine Automaten, sondern man muss eine SMS an eine slovakische Handynummer schicken, mit einem längeren Text, der Autonummer und der Aufenthaltsdauer. Das hätte ich gerne getan, aber die Nummer funktionierte weder mit noch ohne slovakische Vorwahl. So habe ich halt mal ausnahmsweise schwarz geparkt (und es ist nichts passiert).

Statt der Münze haben wir die Katharinenkirche auf dem höchsten Hügel der Stadt besichtigt. Auf diesem Hügel stehen nebeneinander die Kirche, verschiedene ehemalige Wachtürme und der Karner. Die gotische Kirche ist sehr schön, die Türme enthalten Ausstellungen, die wir uns gespart haben. Und dann suchten wir nach dem Rathaus, das auch auf dem Plan verzeichnet war. Zuletzt fragten wir in der Kasse nach und erfuhren, dass das Rathaus sozusagen unter der Oberfläche ist, weil die darüber stehenden Stockwerke im 19. Jahrhundert abgerissen wurden. Sehr merkwürdig, aber in den zwei verbliebenen Räumen gibt es immerhin eine Ausstellung wunderschöner barocker Statuen.

Dann fuhren wir weiter in Richtung Bojnice – und kamen durch die Kleinstadt Nitrianske Právno / Deutschproben, eine ehemalige deutsche Sprachinsel, wo ich vor zwei Jahren einige Tage verweilt bin. Hier haben wir eine Pause gemacht, etwas getrunken und sind ein bisschen herumgelaufen. Dann begann sich ein Gewitter anzukündigen, und wir sind schnell nach Bojnice weitergefahren.

Der Rummel vor dem Schloss war so, wie ich ihn in Erinnerung hatte (u.a. gibt es dort auch einen Zoo), und zeitweise zweifelten wir, ob wir überhaupt noch zum Eingang in das Schloss kommen würden. Den gab es aber wirklich, wir zahlten Eintritt und warteten ca. 10 Minuten, bevor wir mit einer größeren Gruppe eingelassen wurden, zu einer anderthalbstündigen (!) Führung. Den Kern des Schlosses bildete eine sehr alte Burg, die aber oft umgebaut worden ist. Erst war sie im Besitz lokaler Adelsgeschlechter, dann des Königshauses und schließlich über dreihundert Jahre im Besitz der ungarischen Magnatenfamilie Pállfy. Unter dem Schloss befindet sich eine Grotte, in die man am Anfang geführt wird (sehr beeindruckend), dann wurden wir von Raum zu Raum, von Treppe zu Treppe geführt, und sahen viele Möbel, viel Geschirr, viele Gemälde usw. Bald wurde mir klar, dass das die erste Schlossführung seit langem ist, der ich mich unterzogen habe, irgendwann habe ich nämlich diese Art von Führung nicht mehr ertragen, und zwar schlicht als Textsorte. In Tschechien und der Slovakei gehören dazu auch irgendwelche Pseudolegenden der Art, dass jeder, der in den Spiegel schaut und dabei an irgendetwas Bestimmtes denkt (dieser Gegenstand variiert von Ort zu Ort), glücklich oder reich wird (oder andere positive Eigenschaften erwirbt). Oder dass man raten soll, wie schwer etwas ist, wie viel etwas wiegt usw.

Aber ich habe die Schlossführung ohne Schäden überstanden, manches war auch wirklich ganz nett. Nur als ein Bekannter dann auf Facebook meinen Besuch in Bojnice mit „das schönste slovakische Schloss“ kommentierte, musste ich doch widersprechen. Es geht hier um „das schönste ungarische Schloss in der Slovakei“…

Auf dem Weg zum Auto haben wir uns noch Süßigkeiten gekauft, die angeblich für die Gegend charakteristisch sind, dann fuhren wir weiter in Richtung Rájecká Lesná. Und dann hatte ich doch allen Ernstes kurz vor dem Ort wieder ein Problem mit dem Auto, und zwar einen Reifenschaden (ich bitte um Verständnis, dass ich keine Details ausführe). Das war zwar bei weitem nicht so aufregend wie der Unfall vor einer Woche, meinem Beifahrer und mir ist nichts passiert, wir mussten nicht die Polizei holen und mussten auch nicht ins Krankenhaus. Aber auch so war die Sache aufregend genug… Nach dem Aufprall habe ich angehalten und nachgeschaut, ob etwas passiert ist, sah aber nichts. Aber als wir auf dem Parkplatz vor der größten Krippe der Slovakei eingetroffen waren, hatte ich einen Platten und konnte definitiv nicht weiterfahren.

Die Krippe haben wir zwar besichtigt, aber sehr aufmerksam war ich nicht (und bin auch kein großer Fan dieser riesigen mechanischen Krippen, wo sich Dutzende von Figuren bewegen und man länger braucht, bis man überhaupt die heilige Familie findet), und dann war die Frage, was tun. Eine größere Anzahl von anderen Tourist_innen (zum größeren Teil Tschechen) hat den Schaden zwar besichtigt und kommentiert, aber Hilfe musste ich selbst beschaffen. Mit Hilfe von Google habe ich die nächste Tankstelle angerufen, die mir dann eine Autowerkstatt empfohlen hat. Und deren Besitzer kam zu uns, hat den Schaden angeschaut und mich eingehend beraten. Die hauptsächliche Botschaft bestand freilich darin, dass er den Schaden beim besten Willen nicht am Freitagnachmittag um 17:30 beheben konnte. Erst bot er an, uns nach Orava zu fahren, dann wurde ihm klar, wie weit das ist, und er schlug vor, dass wir in Rájecká Lesná übernachten sollten. Er fuhr mit uns zwei Pensionen, die erste war voll, die zweite hatte ein Zimmer frei, in dem wir dann abgestiegen sind. Und wir haben den Abend gemütlich mit der Suche nach einem Geldautomaten und mit dem Abendessen verbracht. Ich habe auch das gute WLAN genossen und alle meine Bilder hochgeladen – sie werden aber erst verlinkt, wenn ich wieder zu Hause bin.

Wie es weiterging, beschreibe ich erst morgen, aber ich kann alle ängstlichen Seelen beruhigen: Ich habe Rájecká Lesná mit einem funktionsfähigen Auto verlassen und bin jetzt wieder in Orava.

Ein Kommentar

  1. Du hast aber diesmal wirklich Pech mit den Fahrzeugen. Hoffentlich war das jetzt schon das letzte unvorhersehbare Problem mit dem Vehikel. Ansonsten scheint das Programm aber auch sehr reichhaltig und durchaus abenteuerreich zu sein. Auf die Bilder freue ich mich schon! Einen schönen Sonntag aus Obora in der Mikroregion Dolní Střela (Untere Schnella).

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