20. August 2014: Banská Štiavnica: Auf den Spuren Josephs II.

Der Bericht über den gestrigen Mittwoch fällt ein wenig kürzer aus, weil ich schlicht nicht so viel unternommen habe. Ich habe mich auf die Sehenswürdigkeiten konzentriert, die mit dem Bergbau zu tun haben, und auch diese haben mich nicht alle in gleicher Weise angezogen. So bin ich auch gestern nicht in die Mineraliensammlung gegangen.

Nach einem morgentlichen Rundgang durch die Stadt, wo ich einige interessante Plakate und Aufschriften studiert habe (so etwa die Einladung zur „Jazznica“ und die „Galerie Schemnitz“), wollte ich den Kammerhof besichtigen, der zunächst Sitz der Bergbauverwaltung und dann auch zeitweise der von Maria Theresia gegründeten Bergakademie war. Hier habe ich eine neue Variante slowakischer Museumskultur kennengelernt. Man bekommt nämlich nur zur vollen Stunde Einlass, weil man das Museum nur mit Führung besichtigen darf. Als ich dann aber um 11 Uhr kam, war ich der einzige und bekam keine Führung – die zuständige Dame begleitete mich nur von Ferne durch die Räume und beschränkte ihre Mitteilung auf das Nötigste (z.B. wo der Ausgang ist).

Professorengalerie
Professoren im 19. Jh.

Im ersten Raum wird der Bergakademie gedacht, die 1760 gegründet wurde und unter verschiedensten Namen bis 1919 existierte – in diesem Jahr zogen die ungarischen Professoren aus und die Universität wurde geschlossen. Allerdings findet man zu diesem Faktum im Museum keine Informationen, und das, was ich weiß, hat mir vor vielen Jahren mal jemand bei einer Führung erzählt (vielleicht informiere ich mich nach Rückkehr mal in Spezialliteratur). Beeindruckt hat mich eine Vitrinen mit Darstellung der Professoren von Anbeginn bis 1919, die sich aber nicht mit der Tübinger Professorengalerie messen kann. Und vor einem Foto mit zwei Professoren und einem Geistlichen habe ich länger darüber meditiert, ob ich im 19. Jahrhundert ungarischer Professor hätte sein wollen.

Grubenanzug Josephs II.

In den weiteren Räumen werden dann alle Kammergrafen und Rechtsnachfolger gezeigt. Die Liste endet mit einem Herrn, der 1992 das Amt übernahm. Mich hat dann doch interessiert, ob er noch im Amt ist, aber die Dame, die mich „führte“, meinte, es sei 1996 mit der Einstellung der Bergbaus erloschen. Sehr nett waren auch die Grubenanzüge, in denen Joseph II. zweimal das Bergwerk besichtigt hat (einmal als Kronprinz, einmal als Kaiser), die sind so sauber und so gut erhalten, dass man sich fragt, ob es wirklich die Originale sind. Vor allem wenn man sie dann mit den Fotos aus dem 20. Jahrhundert vergleicht, mit schmutzigen und schwarz gekleideten Bergleuten. Leicht manipulativ fand ich übrigens, dass bei den Fotos immer nur das Jahrhundert steht – speziell im 20. Jahrhundert würde man sich vielleicht doch eine etwas präzisere Aufgliederung wünschen.

Nachdem ich nun schon auf Joseph II. eingestimmt war, habe ich danach entschlossen, einen Stollen zu besichtigen. Und zwar gibt es in der Nähe des Hotels Salamander einen verschlossenen Einstiegsschacht, an dem steht, dass es täglich um 12 Uhr eine Führung gebe. Das hatte ich nicht recht glauben wollen, aber als ich um 11:50 dort Leute stehen sah, habe ich mich angeschlossen. Um Punkt 12 Uhr wurden wir erst in ein Verwaltungsgebäude geführt, wo man sich zünftig einkleiden muss (mit Mantel, Helm und Lampe) und wo der Führer, der sich als ehemaliger Bergmann stilisierte, die ersten Informationen gab. Der Stollen „Glanzenberg“ (er selbst sagte grundsätzlich Glansenberg mit stimmhaftem s) stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert und wurde bis zum Ende des 16. Jahrhunderts ausgehoben. Danach diente er als Musterstollen für erlauchte Besuche, beginnend mit Franz I. über Joseph II., der gleich zweimal da war, einmal mit Bruder Leopold und Schwager Albert, bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Dann wurde der Stollen verschlossen und 2001 renoviert, seither haben ihn diverse Persönlichkeit besucht, einschließlich des Generalsekretärs der UNESCO und des kubanischen Botschafters. Zwei slowakische Gymnasiasten scherzten schon am Eingang, dass dort sicher auch der vorige Präsident Ivan Gasparovič gewesen sei (der sich gegen Ende seiner Amtszeit zu einer Witzfigur entwickelt hat), noch viel lustiger fanden sie aber die Besuche seines Vorgängers Rudolf Schuster, der sich auch keiner Beliebtheit mehr erfreut. Ansonsten habe ich auch erfahren, dass zunächst der Hl. Clemens Heiliger der Bergleute war, dann die Hl. Katharina und zuletzt die Hl. Barbara.

Der Führer hat uns ansonsten noch durch viele lustige Sprüche erfreut, etwa wenn er schilderte, unter welchen Häusern wir gerade laufen (mal eine Bank, mal ein Imbiss, von wo man angeblich die Pommes frites riechen könne, dann wieder eine Bank). Er hat aus seiner (angeblichen) Zeit als Bergmann berichtet, wo man nur das schwarze Wasser trinken durfte, das von den Wänden herunterrann, und nicht das gelbe. Und er hat uns versichert, dass wir keine Angst haben müssen, wenn wir ohnmächtig würden, er hätte noch jede/n Besucher/in tot oder lebendig an die Oberfläche gebracht.

Die „Klopačka“

Nachmittags habe ich mich zunächst ausgeruht und mich dann zur

Alternative Öffnungszeiten

Klopačka begeben, das ist ein Turm, von dem aus die Bergleute zur Arbeit gerufen wurde. Heute ist dort eine alternative Teestube, in der ich den Rest des Nachmittags verbracht habe, mit Mail- und Blogschreiben. Sie bieten 150 Teesorten und verschiedene Kuchen an. Ich habe mich für den „Affenkönig“ (Opičí kráľ) entschieden, einen grünen Tee mit Jasmin, den man laut Getränkekarte am besten umgeben von Konkubinen trinken soll – die Konkubinen wurden aber nicht gestellt. Dazu habe ich einen Mohnstrudel gegessen, Tee und Strudel waren vorzüglich. Und das Publikum war auch interessant, teils alternativ (tätowiert und mit Wasserpfeife), teils international (eine echte amerikanische Familie), teils etwas deplatziert. Es kam nämlich auch eine Gruppe von Bauarbeitern, die Schnaps und Bier bestellten, aber natürlich nicht bekamen (was ihnen offenbar auch klar war), sie nahmen dann mit Mineralwasser und Säften vorlieb und führten eine fröhliche Konversation, in der man sicher schön Soziolekte hätte studieren können. Aber irgendwie reichte mein Slowakisch dafür doch nicht.


Das war nun der Abschluss, heute morgen geht es weiter in Richtung Ostböhmen, vermutlich durch strömenden Regen (denn es regnet sei etwa 7 Uhr ununterbrochen).

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