6. August 2018: Erlebnisse mit Autowerkstätten und Autovermittlungen

Am gestrigen Montag habe ich mich im Wesentlichen damit beschäftigt zu klären, wie es mit meinem Auto weitergeht, aber auch damit, wie ich an ein Leihauto komme, um meine geplante Reise zumindest teilweise realisieren zu können. Der Tag begann dann damit, dass der Herr, der mein Auto abgeschleppt hatte, mir mitteilte, er sei erst nachmittags in Uherské Hradiště… Und ich musste überlegen, womit ich nun den Vormittag verbringe.

Ganz so schlimm ist es aber nicht gekommen, denn er hat dann doch schon um 11 Uhr das Auto zu der Škoda-Werkstatt gebracht, die sich um das Weitere kümmern soll. Mit dem Abschlepper habe ich mich noch länger gut unterhalten, und er schloss mit dem vorsichtigen Hinweis, dass er dann, wenn das Auto einen Totalschaden haben sollte, durchaus an dem „Wrack“ interessiert sei. So war ich schon richtig eingestellt auf das Gespräch mit dem Herrn vom Reparaturservice. Dieser hat das Auto genau angeschaut, von allen Seiten fotografiert – und mir schließlich mitgeteilt, das Auto sei auf jeden Fall reparierbar und der Schaden eigentlich gar nicht so groß. Ich bin natürlich sehr erleichtert, auch wenn die Reparatur vermutlich 2–3 Wochen dauern wird – was bedeutet, dass ich Ende August noch einmal nach Uherské Hradiště kommen muss. Aber ich habe das Auto gerne in der Obhut der Werkstatt gelassen, nicht ohne noch mehrfach mit meiner Versicherung zu telefonieren (natürlich ist alles sehr schwierig…).

Einen Leihwagen konnte mir die Werkstatt aber nicht vermitteln. Sie haben zwar Autos, die sie verleihen, aber die sind alle vergeben. Und Büros von Autovermietungen gibt es angeblich in Uherské Hradiště nicht. Das klingt zwar unwahrscheinlich, aber alle im Internet zu findenden Angebote aus Uherské Hradiště wirken leicht dubios, u. a. werden keine Adressen angegeben, sondern alles läuft übers Internet. Das überfordert mich als Angehörigen der älteren Generation doch deutlich, sodass ich beschloss, lieber in eine größere Stadt, konkret nach Brünn, zu fahren und mir dort ein Auto zu beschaffen.

Der freundliche Herr von der Werkstatt brachte ich mich an den Bahnhof von Staré Město, wo ich zunächst im Bahnhofsbüfett zu Mittag gegessen habe – nach vielen Jahren endlich mal wieder in seinem solchen bufet. Das war ein schönes Erlebnis, das Essen war nicht schlecht und sehr preiswert, und vor allem gab es dazu eine knallgelbe Limonade einer Sorte, von der ich dachte, sie sei gegen Ende der achtziger Jahre ausgestorben!

Der Zug nach Brünn war sehr angenehm, mit Klimaanlage, Steckdosen und WLAN, lauter Komfort, der auf der Strecke von Tübingen nach Stuttgart wahrscheinlich erst in dreißig Jahren eingeführt wird. Vor allem aber erreichte mich auf dieser Strecke ein E-Mail meines slovakischen Bekannten, der mir vorschlug, einen Vetter von ihm, der in Brünn lebt, anzurufen und um Hilfe zu bitten. Ich dachte zunächst, dass ich das nicht brauche und mich selber zurechtfinde, aber nach zehn Minuten im brütend heißen Brünner Hauptbahnhof, wo es natürlich auch kein Büro einer Autovermietung gibt (warum auch), habe ich mich eines Besseren besonnen und die Telefonnummer angerufen. Dort meldete sein freundlicher Herr namens Vladimír, der anbot, mich am Bahnhof zu holen und dann alles zu besprechen.

Das Angebot war mir etwas peinlich, aber ich habe es akzeptiert und wurde vom Bahnhof in eine kühle Druckerei gebracht, wo mich Vladimír erst bewirtete, mir dann ein frisches Hemd aufdrängte (ein rotes Hemd mit dem Logo der Druckerei!), dann die gesamte Familiengeschichte erzählte, beginnend mit der Lebensgeschichte seiner Mutter und der meines Bekannten (die Schwestern waren), aber dann bis in 19. Jahrhundert zurückging, und der mir dann genau erklärte, wie ich von Brünn nach Trstená komme, ohne Autobahngebühren zahlen zu müssen. Erst dann erklärte er mir genauer, wie ich nun zu einem Auto kommen sollte, und zwar über einen Bekannten von ihm, der eine Reparaturfirma hat und seinen Kunden Autos verleiht. Das heißt, es ist wieder die gleiche Konstruktion, wie sie in Uherské Hradiště und sicher auch anderswo üblich ist. Und für mich wurde nun eine Ausnahme gemacht, weil ich ja der Freund eines Cousins von Vladimír bin.

Mit neuem Hemd vor dem Leihauto

Kurz darauf erschien ein freundlicher Herr und brachte das Auto vorbei, für meine Verhältnisse etwas groß und von einer Automarke, die ich bisher nie gefahren bin und auch nicht fahren würde (ich nenne sie wohlweislich nicht). Das Auto hat aber Automatik (woran ich mich inzwischen gewöhnt habe) und ist ein Dieselfahrzeug – mit meiner Bemerkung, ich würde beim Tanken hoffentlich dran denken, habe ich die beiden Herren doch etwas aus der Fassung gebracht (und schnell wieder beruhigt). Am besten fand ich, dass der Besitzer des Autos nach meinem Geburtsjahr fragte, dann konstatierte, dass er genauso alt ist wie ich, und damit schloss, solche alten Opas (takoví staří dědečkové) wie er und ich führen ja vorsichtig und müssten uns nichts mehr beweisen.

Gegen 18 Uhr bin ich dann wirklich aufgebrochen und zügig in Richtung Slowakei gefahren, vorbei an der Unfallstelle, die sinnigerweise woanders lag, als ich dachte, dann über die Grenze und vorbei an Trenčín, wo ich schon so oft übernachtet habe, dass ich dieses Mal etwas anderes ausprobieren wollte. Das wurde aber noch schwierig, weil es auf dem Land wenige Hotels gibt (zwei, zu denen ich hinfuhr, waren geschlossen). In der Industriestadt Považská Bystrica habe ich mich geradezu bizarr verfahren (Details werden nicht verraten), die nächste größere Stadt Bytča habe ich nicht gefunden (bzw. vermutlich die Ausfahrt übersehen).

Und so habe ich schließlich erst um 22 Uhr in Žilina nach einem Hotelzimmer gesucht, so spät war ich schon lange nicht mehr dran. Das erste Hotel war voll, ein Zimmer bekam ich dann im zweiten Hotel. Während der junge Mann an der Rezeption die Formulare ausfüllte, stellte ich leicht verwundert fest, dass fast alle Dokumente an der Rezeption auf Koreanisch waren!

Koreanisch in Žilina

Das liegt aber nicht daran, dass der lange Arm der Tübinger Koreanistik bis hierher reichen würde, sondern das Hotel wird – wie mir dann erklärt wurde – vor allem von koreanischen Besucher_innen des Autokonzerns Kia verwendet, der in Žilina ein Werk betreibt.

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen schönen Bericht, der einem doch das Herz aufgehen lässt über so viel Hilfsbereitschaft. Hoffentlich bist Du tags darauf gut in die Orava gekommen. Wir sind mittlerweile dort, wo die Türkeiszenen des Märchenfilms „Princezna ze mlejna II“ gedreht wurden und warten auf die angekündigte Abkühlung.

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