7. August 2018: Von Žilina bis Zakopane

Am Dienstagmorgen habe ich mich beeilt, schnell von Žilina zum eigentlichen Ziel, Trstená, zu gelangen. Gefrühstückt habe ich nur wenig, da ich statt des erhofften koreanischen Frühstücks ein normales slovakisches Frühstück vorgefunden habe – es hat aber geschmeckt. Danach bin ich über eine Gebirgsstrecke in Richtung Orava gefahren, das ging etwas langsamer als erwartet, weil die Straße durch die Dörfer führt. Aber gegen 10:30 war ich an der Burg Orava, die malerisch hoch über dem Tal liegt, und kurz vor 11 Uhr habe ich das Haus meines Bekannten in Trstená erreicht, der mich herzlich begrüßte und nur wenig später zum Haus seiner Schwester in Tvrdošín geleitete, wo ich während des Aufenthalts wohnen sollte.

Bei der Schwester, die zusammen mit ihrem pflegebedürftigen Mann ein zweistöckiges Haus am Rand von Tvrdošín bewohnt, haben wir zunächst einen Imbiss eingenommen, dann begann schon das reiche Programm, dass Marián für mich geplant hat. Erst jetzt wurde mir klar, wie sehr mein Unfall hier die Planungen durcheinandergewirbelt haben muss… Aber da ich letztlich genauso lange bleibe, wie ursprünglich abgesprochen, kann der Plan jedenfalls umgesetzt werden.

Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich hier und im Folgenden fast gar nichts über meine Gastgeber_innen schreibe. Das würde sich in einem öffentlichen Blog nicht gehören und die Privatsphäre der Betroffenen beschädigen. Daher beschränke ich mich hier auf die kurze Angabe, dass ich Marián seit meinem Studium in Prag im Jahr 1978 kenne, wo wir gemeinsam Vorlesungen des berühmten Typologen Vladimír Skalička besucht haben. Marián studierte damals Finnisch und Deutsch und war später, bis zu seiner Pensionierung, als Deutschlehrer am Gymnasium von Trstená tätig.

Der erste Programmpunkt war der Besuch des Thermalbads in Oravice, nahe der polnischen Grenze. Dieses Thermalbad war mir schon angekündigt worden, ich war aber über, was ich dort erlebt habe, eher überrascht. Wasser aus heißen Quellen wird hier in zwei Becken gepumpt, in denen man bis zur Hüfte steht. Schwimmen kann man faktisch nicht, sondern man lehnt sich an den Rand des Beckens und führt linguistische (oder auch andere) Gespräche. Und man soll höchstens eine halbe Stunde drinbleiben, sonst könnte man überanstrengt werden. Für welche Leiden das Thermalbad empfohlen wird, habe ich nicht gefragt.

Zweisprachiger Aushang im Thermalbad

Nach dem Besuch des Thermalbads sind wir über die nahe Grenze nach Polen hinübergefahren. Marián hatte mich schon mittags darauf hingewiesen, dass Zakopane nur 30 km entfernt sei, das war mir offengestanden nicht klar, denn ich habe Zakopane immer nur von Krakau aus besucht (und von dort aus ist es wesentlich weiter). Wir fuhren über den Grenzort mit dem schönen Namen Suchá Hora („Trockener Berg“) hinüber und hielten zunächst im Ort Chochołów an. Ich hätte nie davon geträumt, dass ich da mal hinkomme, in den Ort, in dem im Februar 1846 einer der Aufstände gegen die österreichische Herrschaft ausbrach, der aber genauso schnell niedergeschlagen wurde wie die anderen Aufstände (u.a. in Krakau). Jedenfalls wurde er später als ein Vorbote der großen Revolution von 1848 angesehen!

Chochołów ist ansonsten ein hübscher Ort mit Holzhäuser und einer hoch aufragenden Kirche. Das Museum des Aufstands haben wir nicht besucht, sondern waren nur kurz in der Werkstatt eines Holzschnitzers, dessen (überwiegend religiöses) Programm mich aber nicht unbedingt angesprochen hat.

Holzhaus in Chochołów

Und dann begann die Irrfahrt nach Zakopane. Auf den ersten Blick mag es merkwürdig klingen, dass man sich da verfahren kann, aber es gab bald überhaupt keine Wegweiser mehr nach Zakopane, sondern nur noch in irgendwelche kleinen Dörter. So sind wir umgekehrt, nur um festzustellen, dass wir doch auf dem richtigen Weg gewesen waren. Und zuletzt sind wir wirklich in Zakopane eingetroffen, das genauso voll und überlaufen war wie immer.

Fußgängerzone von Zakopane

Die Suche nach einem Parkplatz war aber erstaunlich schnell erfolgreich, und so konnten wir einen etwa dreiviertelstündigen Spaziergang durch die Innenstadt unternehmen, wo sich Geschäft und Geschäft und Stand an Stand reihen. Bei einer freundlichen Goralin haben wir gerösteten Käse mit Moosbeerensoße gegessen, und für Mariáns Schwester haben wir eingelegte Pilze und Honig gekauft. Aber für eine richtige Besichtigung war es dann doch zu heiß. So berichte ich zuletzt nur noch, dass ich erstaunt war, relativ viele Araberinnen mit Kopftuch zu sehen. Da fragt man sich doch, ob das Flüchtlinge sind oder Touristinnen. Einen arabischen Reiseführer, in dem für Zakopane geworben wird, würde ich mir sogar erwerben, wenn ich ihn bekäme (und obwohl ich ihn nicht lesen kann).

 

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Schilderung des Ausflugs ins Nachbarland. Wie überall in touristischen Gegenden handelt es sich um arabische Touristen, die man zuerst aus Geschäftssinn ins Land holt, dann können sie sich nicht benehmen wie „normale“ Touristen, schließlich muss man eigene Fremdenführer mit den notwendigsten Benimmregeln für sie schreiben, die sie aber ohnehin ignorieren, weil sie Übertretungen in der Regel mit Geld bereinigen. So erst unlängst auch in Zakopane: Da berichtete die Gazeta Krakowska, dass „turyści z Kuwejtu wjechali samochodami na Krupówki.“ Genauer gesagt: „Turyści, którzy korzystając z poprawy pogody wyszli w niedzielę na Krupówki, mogli oglądać nie lada przedstawienie. Około godziny 17 na deptak wjechały bowiem trzy nietypowe samochody na numerach rejestracyjnych z… Zatoki Perskiej. Ich kierowcy – turyści z Kuwejtu – nic sobie nie robili, że jadą w poprzek deptaku, którym spacerują tysiące ludzi. Musiała interweniować policja.“ Herzliche Grüße aus der türkischen Hitze von Turkov.

  2. Kann schon sein, dass es auch solche Araber_innen gibt. Die, die ich getroffen habe, haben sich aber völlig normal und anständig benommen.

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